Liegt eine Sendefrequenz unter der kritischen Frequenz, dann wird selbst eine senkrecht nach oben gestrahlte Raumwelle noch von der Ionosphäre reflektiert. Entsprechend verschwindet die Tote Zone. Diesen Effekt kann man sich für Nahverbindungen zunutze machen, bei der die Bodenwelle das Ziel nicht mehr erreichen würde. Voraussetzung ist jedoch eine Kurzwellenantenne, die in möglichst steilem Winkel nach oben strahlt. Man spricht bei einer dann folgenden Reflektion in der Ionosphäre von „NVIS“ aus dem Englischen: Near Vertical Incidence Skywave. Oder zu Deutsch: Raumwelle mit nahezu vertikalem Einfallswinkel.
Hinge man einen Horizontal-Dipol höher auf, dann würde aufgrund der Verzögerung bei der Reflektion und der damit einhergehenden Phasenverschiebung die reflektierte Welle teilweise zu einer Auslöschung in Richtung Zenit führen und entsprechend einen Gewinn in flacherer Abstrahlrichtung erwirken, was jedoch bei NVIS-Kommunikation gar nicht gewünscht ist. Ebenso ungeeignet sind Vertikalantennen, da diese einen flachen Abstrahlwinkel hätten.
Besonders im Notfunk haben NVIS-Verbindungen den Vorteil, dass sich Hindernisse (z. B. bergiges Gelände) überwinden lassen. Als Antennen geeignet sind Horizontal-Dipole, die in einer Aufbauhöhe von maximal einem Viertel Wellenlänge aufgehangen werden. Damit wirkt die Erdoberfläche als Reflektor und sorgt so für einen Gewinn in Richtung des Himmels, senkrecht nach oben (also in Richtung des Zenits).
NVIS kann insbesondere in dünn besiedelten Regionen oder Ländern mit großen Entfernungen eine wichtige Rolle im Notfunk spielen. Damit lassen sich regionale Verbindungen über einige hundert Kilometer herstellen, ohne auf Relaisstationen oder andere Kommunikationsinfrastruktur angewiesen zu sein.
In Deutschland sind die Randbedingungen jedoch häufig andere. Aufgrund der vergleichsweise kurzen Entfernungen, der hohen Bevölkerungsdichte und des dichten Netzes an Amateurfunkrelais spielen im Notfunk insbesondere die VHF- und UHF-Bänder eine wichtige Rolle. Verbindungen können dort sowohl direkt als auch – sofern verfügbar – über Relaisstationen hergestellt werden.
Ein weiterer Vorteil ist die große Verbreitung entsprechender Geräte: Viele Funkamateure besitzen ein Hand- oder Mobilfunkgerät für das 2-m- und 70-cm-Band. Außerdem stehen diese Bänder allen deutschen Amateurfunkklassen zur Verfügung. Dadurch können sich sehr viele Funkamateure mit vergleichsweise einfacher und portabler Ausrüstung an der lokalen und regionalen Notfunkkommunikation beteiligen.
Du interessierst dich für Notfunk und möchtest mehr darüber erfahren oder selbst mitmachen? Weitere Informationen indest du beim Notfunkreferat des DARC.
NVIS-Antennen sind also typischerweise horizontale Dipole, die in Relation zur verwendeten Wellenlänge vergleichsweise tief aufgehangen werden.