Mantelwellen II

Idealerweise sind die Ströme durch den Innen- und Außenleiter eines Koaxialkabels genau gleich groß und in der Richtung entgegengesetzt. Deren Summe ist also Null und man spricht dann von einem reinen Gegentaktsignal. Genau dann treten keine Mantelwellen auf.

Ist die Summe des Signals hingegen ungleich Null, dann ist ein sogenanntes Gleichtaktsignal vorhanden. Der Gleichtaktanteil eines Stroms im Koaxialkabel fließt stets auf der Außenseite des Außenleiters und ist damit ein Mantelstrom mit zugehöriger Mantelwelle um das Koaxialkabel herum.

AG425: Wann liegen Mantelwellen auf einem Koaxialkabel vor? Wenn ...

Dass ein um einen Ferritkern gewickeltes Koaxialkabel zur Unterdrückung von Mantelwellen geeignet sind, haben wir bereits gelernt. Dies ist eine Form der sogenannten stromkompensierten Drossel.

Eine Drossel ist eine Spule, die hochfrequente Ströme blockieren soll. Die stromkompensierte Drossel ist eine Bauform der Drosselspule, bei der zwei getrennte Wicklungen auf den selben Magnetkern gewickelt werden. Hierbei wird die stromkompensierte Drossel so beschaltet, dass Gegentaktsignale, d. h. Signale bei denen der Strom in der einen Wicklung genau entgegengesetzt der anderen Wicklung sind und ansonsten die gleiche Größe aufweisen, kein Magnetfeld in den Kern induzieren. Die stromkompensierte Drossel lässt also Gegentaktsignale ungehindert hindurch. Gleichtaktanteile jedoch, also z. B. Ströme die nur auf dem Außenleiter und damit nur in einer Wicklung fließen, werden durch die Induktivität blockiert.

AG426: Wie wirkt eine stromkompensierte Drossel (z. B. Koaxialkabel um einen Ferritkern gewickelt) Mantelwellen entgegen? Sie wirkt ...

Eine Alternative zur stromkompensierten Drossel stellt ein HF-Trenntrafo dar. Da die Primär- und die Sekundärwicklung nicht miteinander verbunden sind, muss ein Strom der an einem Pol in den Trenntrafo hineinfließt (zumindest näherungsweise) auch in gleicher Größe aus dem anderen Pol wieder hinausfließen. Ein Gleichtaktanteil ist damit ausgeschlossen.

Da zwischen den Windungen der Spule eines Trenntrafos eine Kapazität entsteht und die Spule auch eine Kapazität gegenüber der anderen Spule ausbildet, unterdrückt auch ein Trenntrafo den Gleichtaktanteil eines Signals nicht vollständig.

AJ115: Zur Verhinderung von Rundfunk-Empfangsstörungen (z. B. UKW, DAB, DVB-T), die durch Mantelwellen hervorgerufen werden, ist anstelle einer Mantelwellendrossel alternativ ...

Wenn ein Koaxialkabel frei von HF-Gleichtaktsignalen ist, dann weist der Außenleiter keine hochfrequente Spannung gegenüber der Erde auf. Dies liegt daran, dass sich bei einem Gegentaktsignal, also entgegengesetzten Strömen im Innen- und Außenleiter, ein elektrisches Feld ausschließlich zwischen Innen- und Außenleiter ausbildet. Von außen betrachtet heben sich die Wirkungen der beiden Ströme auf, da sie in der Summe Null ergeben. Das Vorhandensein von Mantelwellen hängt also unmittelbar mit dem Vorhandensein von HF-Spannungen auf dem Außenleiter zusammen.

Genau solche Spannungen am Außenleiter entstehen z. B., wenn wir eine symmetrische Antenne an das Kabel anschließen, denn am Speisepunkt weist jeder Dipolschenkel eine Spannung gegenüber Erde auf. Verbinden wir die Schenkel jeweils mit einem Leiter des Koaxialkabels, so wird auch der Außenleiter eine Spannung gegenüber Erde aufweisen.

Gut geerdete Antennen hingegen, z. B. eine Groundplane Antenne mit vielen gut abgestimmten oder vergrabenen Radialen, weisen am Speisepunkt der Radiale eine Spannung von nahezu Null gegenüber der Erde auf. Schlecht geerdete Groundplane-Antennen hingegen können anfällig für Mantelwellen sein.

Eine weitere Möglichkeit, wie Mantelwellen entstehen können, ist durch kontaktlose Einkopplung in den Koax-Schirm. Führt man beispielsweise ein Speisekabel parallel zu einem Dipolschenkel, so entsteht eine Kopplung über das elektromagnetische Nahfeld der Antenne.

AG427: Wodurch können Mantelwellen auf Koaxialkabeln verursacht werden?

Bei vollständig symmetrischen Antennen kann ein sogenannter Spannungsbalun eingesetzt werden, um die Ströme im Koaxkabel zu symmetrieren. Eine beliebte Bauform ist ein Spartransformator, bei dem das Koaxialkabel in der Mitte und am Ende einer Spule angeschlossen wird, und die Antenne mit den beiden Enden der Spule verbunden wird.

Bei dieser Bauform kommt es neben der gewünschten Symmetrierung zusätzlich zu einer Verdoppelung der Spannung ($ü = 2$) sowie einer entsprechenden Halbierung des Stroms, was einer 1:4 Impedanztransformation entspricht, d. h. an ein 50 Ω Koaxialkabel ist eine Antenne mit einem Speisewiderstand von möglichst 200 Ω anzuschließen.

AG421: Für welche Antennenimpedanz ist der folgende Balun-Transformator aus zweimal acht Windungen ausgelegt?
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Kurz: Schaltbild mit einer vertikalen Spule (Autotransformator) mit Mittelabgriff zu M und Erdung, oben an Klemme A und unten zu Klemme B geführt; Beschriftungen „50 Ω“, „Zant“ und zweimal „8“.

Detail: Oben verläuft eine waagerechte Leiterbahn mit offenen Anschlussklemmen an beiden Enden, links und rechts jeweils mit „A“ beschriftet; in deren Mitte sitzt ein Knoten, von dem eine Leitung senkrecht nach unten zur Spule (Induktivität) führt. Die Spule ist vertikal gezeichnet; etwa in ihrer Mitte ist ein Abgriff nach links geführt, der zu einer offenen Klemme „M“ verläuft; auf dieser waagerechten Leitung steht ein Erdungssymbol (Masse) nach unten. Das untere Ende der Spule ist mit einer Leitung nach rechts verbunden, die zu einer offenen Klemme „B“ führt. Rechts neben der Spule steht die Beschriftung „Zant“. Parallel zur Spule, etwas rechts davon, verläuft eine gestrichelte senkrechte Linie; neben der Spule ist die Zahl „8“ zweimal eingetragen (einmal im oberen, einmal im unteren Abschnitt). Links neben der oberen Leiterbahn steht „50 Ω“. Verbindungsstellen sind als schwarze Punkte markiert.
AG422: Dargestellt ist ein HF-Übertrager (Balun). An den Anschlüssen a und b wird ein Faltdipol mit 200 Ohm Impedanz angeschlossen. Welche Impedanz misst man zwischen den Anschlüssen a und m?
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Kurzfassung: Schaltbild mit einer vertikal gezeichneten Spule (Induktivität) mit Mittelanzapfung, die mit den Klemmen a, m (mit Massezeichen) und b verbunden ist; rechts steht der Text „Z_ant = 200 Ω“.

Detaillierte Beschreibung: Oben verläuft eine durchgehende horizontale Leitung mit offenen Anschlusskreisen an beiden Enden, beide mit „a“ beschriftet. In der Mitte dieser oberen Leitung befindet sich ein schwarzer Verbindungspunkt, von dem ein Leiter senkrecht nach unten zur oberen Anschlussseite einer vertikalen Spule führt. Die Spule ist in zwei gleichlange Abschnitte aufgeteilt; neben dem oberen und dem unteren Spulenteil steht jeweils die Zahl „8“. Parallel zur Spule verläuft rechts von ihr eine gestrichelte, senkrechte Linie. Etwa in Spulenmitte geht ein Leiter nach links auf eine horizontale Leitung mit linkem offenen Anschlusskreis „m“; auf dieser Leitung ist ein Abzweig nach unten zu einem Masse-/Erdungssymbol eingezeichnet. Am unteren Ende der Spule führt eine Leitung nach rechts zu einem offenen Anschlusskreis, der mit „b“ beschriftet ist. Rechts neben der Spule steht der Text „Z_ant = 200 Ω“. Alle elektrischen Verbindungen sind mit kleinen, ausgefüllten Knotenpunkten markiert.

Diese Bauform ist jedoch nur geeignet Mantelwellen zu unterdrücken, wenn sich die angeschlossene Antenne tatsächlich symmetrisch verhält und sie nicht aufgrund von Umgebungseinflüssen asymmetrisch belastet wird.

Allen Bauteilen, die der Unterdrückung von Mantelwellen dienen, ist gemein, dass dennoch eine „kontaktlose“ Einkopplung über die elektromagnetischen Nahfelder der Antennen direkt auf den Koaxschirm, also hinter der Mantelwellensperre, erfolgen kann. Hier kann z. B. eine weitere, zusätzliche Mantelwellensperre mit etwas Entfernung zur Antenne helfen.

AG428: Die Darstellung zeigt die bei Ankopplung eines Koaxialkabels an eine Antenne auftretenden Ströme. Wie kann man den als $I_3$ bezeichneten, unerwünschten Mantelstrom reduzieren?
1) Kurzbeschreibung: Schematische Darstellung des Aufbaus der Ankopplung eines Dipols an ein Koaxialkabel mit den Strömen „I_1“ auf der Außenseite des Innenleiters, „I_2“ auf der Innenseite des Außenleiters („I_2“) und „I_3“ auf der Außenseite des Außenleiters; Spannungsmesser mit Wechselstromsymbol zwischen Außenleiter und Innenleiter am unteren Ende des Koaxialkabels; Erdung des Außenleiters.

2) Ausführliche Beschreibung: Die Abbildung zeigt den Aufbau der Ankopplung eines Dipols an ein Koaxialkabel. Der Innenleiter ist mit dem „Dipolschenkel 1“ (links) und der Außenleiter mit dem „Dipolschenkel 2“ (rechts) verbunden. Angezeigt werden außerdem die Ströme auf der Außenseite des Innenleiters („I_1“), auf der Innenseite des Außenleiters („I_2“) und auf der Außenseite des Außenleiters („I_3“). I_1 fließt oben im Dipolschenkel 1 und I_2 im Dipolschenkel 2. I_3 fließt entlang dem Außenleiter nach unten zur Masse. Das Verhältnis der Ströme untereinander wird durch eine Gleichung angegeben: „I_2 = I_1 – I_3“. Am unteren Ende des Koaxialkabels sind der Außenleiter und der Innenleiter über einen Spannungsmesser mit Wechselstromsymbol miteinander verbunden, und der Außenleiter ist geerdet.
AG429: Wodurch können Mantelwellen im Falle einer koax-gespeisten symmetrischen Antenne auftreten, obwohl ein Spannungs-Balun verwendet wird?

Weiter zum nächsten Abschnitt: Umwegleitung