Um eine Funkverbindung zwischen zwei Orten über die Raumwelle herzustellen, muss eine Frequenz gewählt werden, die von der Ionosphäre zuverlässig zur Erde zurückgebrochen wird. In der Regel betrifft das nicht nur eine einzelne Frequenz, sondern einen ganzen Frequenzbereich. Oft entscheidet man sich dabei für das höchste Amateurfunkband innerhalb dieses Bereichs.
Dieser Frequenzbereich wird nach oben hin begrenzt durch die MUF (maximal usable frequency), also der höchsten Frequenz, die die Ionosphäre gerade noch für die Distanz zwischen Sender und Empfänger zurückbrechen kann.
Die MUF hängt von der Dichte der freien Elektronen in der brechenden Region (hier: F2-Region) sowie vom Einfallswinkel der Funkwelle in die Ionosphäre ab. Abbildung EA-2.15.1 zeigt die Vorhersage der MUF für einen Sommertag im Juli 2025. Dabei wird deutlich, dass die MUF von der Tageszeit abhängt: Tagsüber führt die stärkere Ionisation zu einer höheren MUF, nachts nimmt die Ionisation ab und die MUF sinkt entsprechend. Ein weiteres Beispiel zeigt Abbildung EA-2.15.2. Die MUF liegt hier bei etwa $\qty{7,5}{\mega\hertz}$. Das bedeutet, dass die Frequenzen $\qty{14}{\mega\hertz}$ und $\qty{7}{\mega\hertz}$ noch zur Erde zurückgebrochen werden, während Frequenzen oberhalb von $\qty{7,5}{\mega\hertz}$ in Richtung Weltraum abgelenkt werden. Das ist auch der Grund, warum wir mit der Raumstation ISS auf dem $\qty{2}{\meter}$-Band kommunizieren: Mit $\qty{145,800}{\mega\hertz}$ liegen wir deutlich über einer typischen MUF.
Die genauen Zusammenhänge der MUF, beispielsweise in Bezug auf den Abstrahlwinkel, werden erst in der Klasse A behandelt. Für die Klasse E ist wichtig zu wissen: Je stärker die Ionisation der Ionosphäre, desto höher ist in der Regel auch die MUF.
Die D-Region haben wir bereits im Kapitel Ionosphäre II kennengelernt. Von ihr wird eine weitere Grenzfrequenz bestimmt – die sogenannte LUF (Lowest Usable Frequency), also die niedrigste nutzbare Frequenz, unterhalb derer die Dämpfung zu stark ist. Nach unten hin stellt die LUF also die Begrenzung dar. Sie wird in erster Linie von der Ionisation in der D-Region bestimmt, hängt aber auch von der Ausrüstung (Sendestärke, Antennen, Empfindlichkeit des Empfängers) ab.
Insbesondere bei sehr geringer Sonnenaktivität oder während starker Magnetstürme kann der Sonderfall auftreten, dass für einen bestimmten Signalweg die LUF über der MUF liegt. In diesem Fall ist zwischen den betreffenden Orten kein Funkverkehr über die Raumwelle möglich. Abbildung EA-2.15.1 zeigt auch eine Vorhersage der LUF für Juli 2025. Dort wird deutlich, dass zwischen 6 und 12 Uhr die LUF oberhalb der MUF liegt und daher kein Kurzwellenbetrieb möglich ist.