Unerwünschte Aussendungen III

In der Klasse E haben wir bereits unerwünschte Aussendungen in Form von Oberwellen und Nebenaussendungen kennengelernt. Oberwellen bzw. Harmonische eines Signals entstehen immer, wenn sich Abweichungen von der idealen Sinus-Kurve bilden und sind immer ganzzahlige Vielfache der Grundfrequenz, wie in Abbildung EA-11.10.2 dargestellt.

Ein Beispiel zeigt die folgende Prüfungsfrage: Wird ein Verstärker übersteuert, werden die Spitzen der Amplitude des Sinussignals begrenzt – dadurch entstehen Oberwellen.

AJ207: Worauf deutet die folgende Wellenform der Ausgangsspannung eines Leistungsverstärkers hin?
1) Kurzbeschreibung: Diagramm aus einem rechteckigen Gitter und einer Kurve mit abgeflachten Maxima und Minima.

2) Ausführliche Beschreibung: Das Diagramm zeigt ein rechteckiges Gitter bestehend aus sieben vertikalen und sieben horizontalen Gitterlinien. Die Achsen haben keine Beschriftung. Die Kurve beginnt links an der mittleren Gitterlinie, steigt an bis zu einem Maximum unterhalb der sechsten horizontalen Gitterlinie von unten. Hier gibt es eine kleine horizontale Abflachung, bevor die Kurve spiegelbildlich zu einem Minimum oberhalb der zweiten horizontalen Gitterlinie abfällt. Auch hier gibt es eine kleine horizontale Abflachung. Danach steigt die Kurve wieder zu einem Maximum mit Abflachung an und endet danach am rechten Bildrand in der Mitte.

Der folgende Alt-Text wurde noch nicht geprüft: 1) Kurze Zusammenfassung: Spektraldiagramm mit Amplitude A über Frequenz f, einem hohen Grundton bei f0 und gelben Oberwellen bei 2f0, 3f0 und 4f0, ergänzt durch seitliche Linien und die Beschriftungen „NA“ und „Oberwellen (OW)“.

2) Detaillierte Beschreibung: Ein Koordinatensystem mit nach oben gerichteter y‑Achse „A“ und nach rechts gerichteter x‑Achse „f“. In der Mitte steht ein schmaler, hoher schwarzer Linienpeak bei „f0“, darunter die Beschriftung „f0“ sowie „1 Harm.“. Links und rechts davon sind symmetrische graue Seitenformen/‑linien dargestellt. Noch weiter außen stehen zwei kurze orangefarbene Striche, jeweils mit roter Beschriftung „NA“. Über dem Bereich sind mehrere hellgraue doppelpfeilige Abstandspfeile mit der Aufschrift „f0“ eingezeichnet; sie spannen zwischen senkrechten, punktierten Hilfslinien aufeinanderfolgende Frequenzabstände ab. Rechts vom Grundton stehen drei gelbe, senkrechte Linienpeaks an den Positionen der Oberwellen; deren Höhe nimmt nach rechts ab. Über diesem Bereich steht in gelber Schrift „Oberwellen (OW)“. Unter den gelben Linien sind die Beschriftungen „1. OW 2 Harm.“, „2. OW 3 Harm.“ und „3. OW 4 Harm.“ zu lesen.
Abbildung EA-11.10.1: Oberwellen (OW), Harmonische (Harm.) und Nebenaussendungen (NA)

Bei der Betrachtung von Vielfachen der Grundfrequenz eines Signals unterscheiden wir zwischen den Begriffen Harmonische und Oberwellen des Signals. Diese beiden Begriffe unterscheiden sich nur in deren Definition und Zählweise. Die 1. Harmonische eines Signals ist dessen Grundfrequenz selbst. Die 2. Harmonische entspricht der 1. Oberwelle eines Signals, die 3. Harmonische der 2. Oberwelle eines Signals und so weiter. Die nebenstehende Tabelle EA-11.10.2 zeigt den Zusammenhang.

Vielfaches der Grundfrequenz Harmonische Oberwelle
$f_0$ 1 ~
$2 \cdot f_0$ 2 1
$3 \cdot f_0$ 3 2
$4 \cdot f_0$ 4 3
Tabelle EA-11.10.2: Harmonische und Oberwellen
AJ203: Auf welche Frequenz müsste ein Empfänger eingestellt werden, um die dritte Oberwelle einer 7,20 MHz-Aussendung erkennen zu können?
AJ204: Die dritte Harmonische einer 29,5 MHz-Aussendung fällt in ...

Der UKW-Rundfunk ist der „klassische“ Rundfunk auf Ultrakurzwelle (UKW). Die Ausstrahlung von Radioprogrammen erfolgt im Frequenzbereich zwischen 87,6 und 107,9 MHz.

Sollen bestimmte Oberwellen oder Harmonische eines Signals einzeln unterdrückt werden, so kann dies neben des klassischen Oberwellenfilters (Tiefpass) auch durch sog. Sperrkreise erfolgen. Ein Sperrkreis unterdrückt genau eine Frequenz maximal und lässt ansonsten alle anderen nahezu ungehindert passieren.

AJ210: Was wird eingesetzt, um die Abstrahlung einer spezifischen Harmonischen wirkungsvoll zu begrenzen?

Laut Amateurfunkverordnung (AFuV) sind unerwünschte Aussendungen auf das geringstmögliche Maß zu beschränken. Die Verfügung 33 von 2007 legt allerdings genaue Grenzwerte fest, welche durch den Funkamateur aber auch von Herstellern kommerzieller Geräte beachtet werden müssen.

Der folgende Alt-Text wurde noch nicht geprüft: 1) Kurze Zusammenfassung:
Tabelle mit der Überschrift „Richtwerte in Sendemode“, die für mehrere Frequenzbereiche die erforderliche Dämpfung unerwünschter Aussendungen sowie alternativ zulässige maximale Störleistungen angibt.

2) Detaillierte Beschreibung:
- Spaltenüberschriften: links „Frequenzbereich“, Mitte „Erforderliche Dämpfung unerwünschter Aussendungen gegenüber der maximalen PEP des Senders 1)“, rechts „Alternativ zulässige maximale Leistung unerwünschter Aussendungen eines Senders 1)“. Darunter eine Zeile mit den Spaltennummern „1“, „2“, „3“.
- Zeile 1: „0,15 MHz – 1,7 MHz“ | „60 dB“ | rechter Spaltenblock zeigt „0,25 μW (−36 dBm)“.
- Zeile 2: „1,7 MHz – 35 MHz“ | „40 dB“ | rechter Spaltenblock weiterhin „0,25 μW (−36 dBm)“.
- Zeile 3: „35 MHz – 50 MHz“ | „40 dB + 129,1·lg f/35 dB“ sowie darunter „mit f … Frequenz in MHz“ | rechter Spaltenblock „0,25 μW (−36 dBm)“.
- Zeile 4: „50 MHz – 1000 MHz“ | „60 dB“ | rechter Spaltenblock „0,25 μW (−36 dBm)“.
- Zeile 5: „>1000 MHz – 40 GHz“ | „50 dB“ | „1 μW (−30 dBm)“.
- Fußnote unten: „1) Der jeweils höhere für einen Frequenzbereich resultierende Leistungswert in Spalten 2 und 3 ist zulässig.“
Abbildung EA-11.10.3: Auszug aus der Verfügung 33 von 2007

Für den VHF/UHF/SHF-Bereich von 50 MHz bis 1000 MHz gilt, dass Nebenaussendungen und Oberwellen mindestens 60 dB gegenüber dem maximalen Sendesignalspitzenpegel des Senders (PEP) gedämpft werden müssen, so lange sich die Leistung der Signale oberhalb eines Pegels von 0,25 µW befindet (vgl. Abbildung EA-11.10.4).

AJ225: Was gilt beim Sendebetrieb für unerwünschte Aussendungen im Frequenzbereich zwischen 50 und 1000 MHz? Sofern die Leistung einer unerwünschten Aussendung ...

Der folgende Alt-Text wurde noch nicht geprüft: 1) Kurzzusammenfassung: Spektrum-Diagramm mit Grundfrequenz f0 und drei weiteren Linien („1. OW“, „2. OW“, „3. OW“), sowie einer gestrichelten Markierung „≥ 60 dB“ zwischen zwei Pegeln.

2) Detailbeschreibung: Ein Koordinatensystem mit y-Achse „A“ und x-Achse „f“. Links steht eine dicke schwarze Senkrechtlinie bei „f0“, unter der „1 Harm.“ beschriftet ist. Rechts davon stehen drei orangefarbene Senkrechtlinien, unter der x‑Achse jeweils mit „1. OW 2 Harm.“, „2. OW 3 Harm.“ und „3. OW 4 Harm.“ beschriftet; die Linienhöhen nehmen nach rechts ab. Über der ersten orangefarbenen Linie sind zwei horizontale orange gestrichelte Linien eingezeichnet; dazwischen verläuft ein doppelseitiger, vertikaler Pfeil mit der Aufschrift „≥ 60 dB“. Das obere gestrichelte Niveau liegt auf Höhe der schwarzen Linie bei f0, das untere auf Höhe der ersten orangefarbenen Linie („1. OW“).
Abbildung EA-11.10.4: Oberwellendämpfung VHF/UHF/SHF-Bereich

Für den Kurzwellenbereich von 1,7 MHz bis 35 MHz gilt, dass Nebenaussendungen und Oberwellen mindestens 40 dB gegenüber dem maximalen Sendesignalspitzenpegel des Senders (PEP) gedämpft werden müssen, so lange sich die Leistung der Signale oberhalb eines Pegels von 0,25 µW befindet.

AJ224: Was gilt beim Sendebetrieb für unerwünschte Aussendungen im Frequenzbereich zwischen 1,7 und 35 MHz? Sofern die Leistung einer unerwünschten Aussendung ...

Mit einem Spektrumanalysator lässt sich im Modus spurious emissions eine Messung der Oberwellen bzw. Harmonischen (engl. harmonics) durchführen, wie in Abbildung EA-11.10.4 dargestellt. Der Spektrumanalysator erfasst dabei automatisch den Pegel des Trägers sowie die Unterdrückung der Harmonischen und zeigt diese zusätzlich auf dem Bildschirm an. Wenn man ein Gerät selbst baut, ist es entscheidend, durch Messungen sicherzustellen, dass die vorgeschriebenen Grenzwerte eingehalten werden. Ein kommerzieller Funkgerätehersteller bestätigt mit der CE-Erklärung zwar die Einhaltung dieser Grenzwerte, dennoch kommt es vor, dass einzelne Geräte die Vorgaben nicht erfüllen – in solchen Fällen kann die Bundesnetzagentur deren Betrieb und Verkauf verbieten.

Unerwünschte Aussendungen entstehen nicht nur durch Oberwellen, sondern können auch in der Frequenzaufbereitung von Sendern auftreten – etwa durch unerwünschte Mischprodukte, durch Schwankungen in der Versorgungsspannung oder durch eine Übersteuerung des NF-Signals. Das wollen wir uns im Folgenden noch etwas genauer anschauen.

Zur Unterdrückung von unerwünschten Mischprodukten – aber auch der Oberwellen – wird nach Mischern häufig ein Bandpassfilter eingesetzt. Besonders bei Einbandsendern sowie bei Geräten für den VHF-, UHF- und SHF-Bereich kommen statt klassischer Oberwellen-Tiefpässe nämlich Bandpässe zum Einsatz. Bei diesen Funkgeräten müssen oft auch Signalanteile unterdrückt werden, die bereits innerhalb der Aufbereitung des Sendesignals entstehen und sich sogar unterhalb der eigentlichen Sendefrequenz befinden können.

AJ211: Wie wird vermieden, dass unerwünschte Mischprodukte aus dem Mischer in die Senderausgangsstufe gelangen?
AJ209: Welches Filter sollte hinter einen VHF-Sender geschaltet werden, um die unerwünschte Aussendung von Subharmonischen und Harmonischen auf ein Mindestmaß zu begrenzen?
AJ208: Die Oberschwingungen eines Einbandsenders sollen mit einem Ausgangsfilter ünterdrückt werden. Welcher Filterkurventyp wird benötigt?

Unerwünschte Aussendungen können auch in unmittelbarer Nähe zum Sendesignal vorliegen. Diese sind durch den Einsatz von Filtern nur schwer oder gar nicht zu unterdrücken und sollten daher bereits zu Beginn der Signalaufbereitung durch entsprechende Maßnahmen wirksam unterdrückt werden. Häufig entstehen solche Nebenaussendung, oder auch Nebenprodukte genannt (umgangssprachlich auch als „Splatter“ bezeichnet), welche das Sendesignal ungewollt verbreitern, durch eine zu hohe Einstellung des Mikrofonverstärkers eines Senders. Hierdurch wird das NF-Signal verzerrt, was unerwünschte Nebenaussendungen zur Folge hat. Abbildung EA-11.10.2 zeigt die Nebenaussendungen.

AJ219: Was passiert, wenn bei einem SSB-Sender die Mikrofonverstärkung zu hoch eingestellt wurde?

Auch durch eine nicht ausreichend stabilierte Versorgungsspannung von Senderendstufen können unerwünschte Aussendungen entstehen. Hierbei kann beispielsweise ein schlecht gefiltertes oder stabilisiertes Netzteil (mit Brummspannung behaftet) auf der Versorgungsspannungsseite zu AM-Aussendungen der Endstufe führen. Auch Einstreuungen von NF-Signalen auf der Netzversorgungsseite eines Senders können zu entsprechenden AM-Aussendungen führen. Dies ist oft bei CW-Aussendungen als „verbrummter“ Träger/Ton wahrzunehmen, insbesondere bei älteren Sendern.

AJ222: Durch Addition eines Störsignals zur Versorgungsspannung der Senderendstufe wird ...
AJ223: Wenn der Stromversorgung einer HF-Endstufe NF-Signale überlagert sind, kann dies eine (zusätzliche) unerwünschte Modulation der Sendefrequenz erzeugen. Um welche unerwünschte Modulation handelt es sich?

Weiter zum nächsten Abschnitt: Störende Beeinflussung elektronischer Geräte I