Unerwünschte Aussendungen II

In der Klasse N haben wir bereits unerwünschte Aussendungen kennengelernt. Solche Aussendungen sollten unbedingt vermieden werden, was durch verschiedene technische Maßnahmen erreicht werden kann – auf diese gehen wir in dieser Lektion näher ein. Unerwünschte Aussendungen entstehen bei Funksendern häufig durch Oberwellen, also ganzzahlige Vielfache der Grundfrequenz, sowie durch sogenannte Nebenaussendungen, wie in der Abbildung ? gezeigt. Zunächst befassen wir uns mit den Oberwellen, da sie andere Funkdienste beeinträchtigen oder stören können. Von einer Störung spricht man, wenn eine Amateurfunkstation unerwünschte Frequenzanteile so stark abstrahlt, dass die zulässigen Grenzwerte überschritten werden. Ein typisches Beispiel ist die Aussendung einer Oberschwingung eines Transceivers im UKW-Rundfunkbereich, wie in Abbildung E-11.3.2 dargestellt. Hierbei führt die vierfache Frequenz ($\qty{145,9}{\mega\hertz}\cdot 4 = \qty{583,6}{\mega\hertz}$) der Grundfrequenz zu einer Störung. Die Nebenaussendungen betrachten wir am Ende dieser Lektion.

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1) Kurzfassung: Spektraldiagramm mit Amplitude A über Frequenz f; ein hoher Grundton bei f0, flankierende kleinere Peaks und rote „NA“-Markierungen, sowie gelbe Balken für die 1.–4. Oberwelle (OW), mit Abständen, die jeweils mit „f0“ gekennzeichnet sind.

2) Detaillierte Beschreibung: Links zeigt die y‑Achse einen Pfeil nach oben mit der Beschriftung „A“, unten verläuft die x‑Achse nach rechts mit der Beschriftung „f“. Bei „f0“ steht ein hoher, schmaler, schwarzer Peak; links und rechts davon sind niedrigere, graue seitliche Peaks. Außerhalb dieser grauen Peaks stehen zwei kurze rote Balken mit der roten Beschriftung „NA“ jeweils links und rechts des Grundtons. Nach rechts folgen in regelmäßigen Abständen vier gelbe, senkrechte Balken, auf der x‑Achse mit „1. OW“, „2. OW“, „3. OW“ und „4. OW“ markiert; die Balkenhöhe nimmt nach rechts ab. Über jedem dieser Positionen verläuft eine graue, doppelseitige Pfeilmarkierung mit dem Text „f0“, die den Abstand zwischen den Linien anzeigt. Entlang der gelben Balken sind nach oben graue, gepunktete Hilfslinien eingezeichnet. Über den gelben Balken steht mittig der gelbe Text „Oberwellen (OW)“.
Abbildung E-11.3.1: Oberwellen (OW) und Nebenaussendungen (NA)

1) Kurzbeschreibung: Schematische Zeichnung mit einer Antenne auf der linken Seite mit nach rechts abgehenden Funkwellen und der Frequenzangabe „f = 145,9 MHz“; auf der rechten Seite ein „TV“-Gerät mit Antenne und der Frequenzangabe „f = 582–590 MHz“ und „DVB-T2 Kanal 35“.

2) Ausführliche Beschreibung: Auf der linken Seite steht eine Antenne mit der Beschriftung „f = 145,9 MHz“. Von ihr gehen nach rechts Funkwellen aus. Auf der rechten Seite gibt es ein „TV“-Gerät mit Antenne und der Beschriftung „f = 582–590 MHz“ und „DVB-T2 Kanal 35“.
Abbildung E-11.3.2: Störung des DVB-T2-Empfang eines Fernsehers durch die Oberwelle einer Amateurfunkaussendung

Die Messung unerwünschter Aussendungen eines Senders erfolgt – im Gegensatz zur PEP-Messung – immer am Senderausgang unter Einbeziehung des gegebenenfalls verwendeten SWR-Meters, zusätzlicher Anpassgeräte und eventuell eingesetzter Tiefpassfilter (vgl. Abbildung E-11.3.3). Hierdurch wird sichergestellt, dass nur die unerwünschten Aussendungen gemessen werden, die auch die Antenne erreichen können. Als Messgerät eignet sich hierfür am besten ein Spektrumanalysator. Wie genau eine solche Überprüfung durchgeführt wird, wie das Frequenzspektrum von Oberwellen aussieht und welche gesetzlichen Vorgaben dabei gelten, werden wir erst in der Klasse A näher betrachten.

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1) Kurzzusammenfassung: Ein Blockdiagramm zeigt eine Signalkette vom Transceiver über ein SWR‑Meter und einen Tiefpass zur Antenne; eine rote Beschriftung mit Pfeil weist auf den Bereich beim Tiefpass.

2) Detaillierte Beschreibung: Von links nach rechts sind rechteckige Blöcke über eine dünne horizontale Linie verbunden. Der erste Block ist mit „Transceiver“ beschriftet und zeigt stilisierte Gerätesymbole. Rechts davon folgt ein Block mit einem diagonalen „X“ im Inneren, beschriftet „SWR‑Meter“. Weiter rechts steht ein Block mit drei geschwungenen Linien im Inneren, beschriftet „Tiefpass“. Von dessen rechter Seite führt die Linie nach rechts und knickt dann senkrecht nach oben zu einem Antennensymbol ab, das aus zwei schrägen Linien über einem kurzen senkrechten Strich besteht; es ist mit „Antenne“ beschriftet. Oberhalb der Verbindung zwischen Tiefpass und Antenne steht in roter Schrift „Messung von unerwünschten Aussendungen“; ein roter, abgewinkelter Pfeil zeigt von dieser Beschriftung auf den rechten Anschluss des Tiefpass‑Blocks bzw. die daran anschließende Leitung.
Abbildung E-11.3.3: Messung von unerwünschten Aussendungen

EJ209: Wie erfolgt die Messung der Leistungen, die zu unerwünschten Aussendungen führen?

Ein ideales Sendesignal, welches nur auf einer gewünschten Frequenz aussendet sollte ein idealer Sinus sein. Dieser enthält ausser der Grundfrequenz keine weiteren Frequenzanteile.

EJ201: Welche Signalform sollte der Träger einer hochfrequenten Schwingung haben, um Störungen durch Oberwellen zu vermeiden?

Signalformen, welche nicht sinusförmig sind und insbesondere scharfe „Ecken und Kanten“ enthalten, bestehen aus vielen verschiedenen Sinus-Frequenzanteilen und enthalten viele Oberwellenanteile. Insbesondere wenn Sender übersteuert werden, werden zuvor sinusförmige Signale oft verzerrt bzw. in deren Amplitude beschnitten. Hierdurch entstehen auch massive Oberwellenanteile. Jede Abweichung von der idealen Sinus-Form ist daher bei idealen Sendesignalen zu vermeiden. Diese Thematik werden wir in der Klasse A noch genauer betrachten. Mit diesem Applet lässt sich der Sachverhalt jedoch bereits ausprobieren. [include:fourier]

Zur Unterdrückung von Oberwellen werden im Kurzwellenbereich üblicherweise Oberwellenfilter eingesetzt. Ihre Charakteristik ist so ausgelegt, dass Frequenzen unterhalb einer bestimmten Grenzfrequenz das Filter nahezu ungedämpft passieren, während Frequenzen oberhalb dieser Grenze nicht oder nur stark abgeschwächt durchgelassen werden. Ein Oberwellenfilter ist somit ein Tiefpassfilter, wie wir es bereits im Kapitel Schwingkreise kennengelernt haben. Der Frequenzgang eines solchen Tiefpasses ist in Abbildung E-11.3.4 dargestellt. Abbildung E-11.3.5 zeigt ein selbstgebautes Tiefpassfilter bestehend aus Kondensatoren und Spulen welche auf Ringkerne gewickelt wurden. Schaltet man bei einem Mehrbandsender das Band um, wird dabei in der Regel auch ein passendes Oberwellenfilter ausgewählt. Oft ist dann das Klicken eines Relais zu hören, das diese Umschaltung vornimmt.

Dass dieses Thema sehr wichtig ist, zeigt sich an der großen Zahl von Prüfungsfragen dazu. Mit dem Wissen über Oberwellen und Tiefpässe lassen sich diese jedoch sehr leicht beantworten.

1) Kurzbeschreibung: Diagramm mit einer horizontalen Achse „f“, einer vertikalen Achse „Leistung“, einer vertikalen Linie im rechten Teil der Abbildung und einer Kurve, die von links bis zur vertikalen Linie horizontal verläuft, rechts davon steil nach unten abfällt und bis zum Ende der horizontalen Achse auf der Nulllinie verläuft.

2) Ausführliche Beschreibung: Ein Koordinatensystem hat eine horizontale Achse mit der Beschriftung „f“ und eine vertikale Achse mit der Beschriftung „Leistung“. Im rechten Teil der Abbildung ist eine gestrichelte vertikale Linie eingezeichnet. Eine horizontale Kurve verläuft links bis zur vertikalen Linie und fällt rechts davon steil nach unten ab. Am Ende verläuft sie bis zum Ende der horizontalen Achse auf der Nulllinie.
Abbildung E-11.3.4: Frequenzgang eines Tiefpassfilters

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1. Zusammenfassung: Langer, schmaler Elektronikaufbau auf grünem Lochrasterboard mit drei ringförmigen Kupferspulen und mehreren kleinen braunen Bauteilen zwischen zwei goldfarbenen Koaxanschlüssen.

2. Detaillierte Beschreibung: Auf einem rechteckigen, grünen Lochrasterboard mit Reihen aus runden Lötaugen sind drei gleichartige, ringförmige Spulen aus lackiertem Kupferdraht auf gelblichen Kernen in einer Linie angeordnet. Dazwischen und daneben sitzen mehrere kleine, braun glänzende, tropfenförmige Bauteile (per Drahtanschluss eingelötet). An beiden Stirnseiten des Boards befinden sich goldfarbene, koaxiale Buchsen/Stecker mit verlöteten Mittelkontakten und seitlichen Lötfahnen zur Masse. Die Lötstellen sind sichtbar, teils mit dunklen Flussmittelspuren. Das Board liegt schräg auf einer grauen, leicht strukturierten Oberfläche; die Beleuchtung kommt von oben links und erzeugt weiche Schatten.
Abbildung E-11.3.5: Selbgebautes Tiefpassfilters

EJ202: Wie kann man hochfrequente Störungen reduzieren, die durch Harmonische hervorgerufen werden? Sie können reduziert werden durch ein ...
EJ204: Welches Filter wäre zwischen Senderausgang und Antenne eingeschleift am besten zur Verringerung der Oberwellenausstrahlungen geeignet?
EJ205: Um Oberwellenaussendungen eines UHF-Senders zu minimieren, sollte dem Gerät ...
EJ206: Welche Schaltung wäre, zwischen Senderausgang und Antenne eingeschleift, am besten zur Verringerung der Oberwellenausstrahlungen geeignet?
EJ207: Welche Charakteristik sollte ein Filter zur Verringerung der Oberwellen eines KW-Senders haben?
EJ208: Welche Filtercharakteristik würde sich am besten für den Ausgang eines KW-Mehrband-Senders eignen?
EJ203: Was für ein Filter muss zwischen Transceiver und Antennenzuleitung eingefügt werden, um Oberwellen zu reduzieren?

1) Kurzbeschreibung: Diagramm mit einer horizontalen Achse „f“, einer vertikalen Achse „Leistung“, einer vertikalen Linie im rechten Teil der Abbildung und einer Kurve, die von links zunächst entlang der Nulllinie verläuft, dann bis zur vertikalen Linie steil ansteigt. Rechts der vertikalen Linie fällt sie wieder steil ab und verläuft bis zum Ende der horizontalen Linie auf der Nulllinie.

2) Ausführliche Beschreibung: Ein Koordinatensystem hat eine horizontale Achse mit der Beschriftung „f“ und eine vertikale Achse mit der Beschriftung „Leistung“. Im rechten Teil der Abbildung ist eine gestrichelte vertikale Linie eingezeichnet. Eine Kurve verläuft von links zunächst entlang der Nulllinie und steigt dann bis zur vertikalen Linie steil an. Rechts der vertikalen Linie fällt sie wieder steil ab und verläuft bis zum Ende der horizontalen Linie auf der Nulllinie.
Abbildung E-11.3.6: Frequenzgang eines Bandpassfilters

Eine weitere Möglichkeit Oberwellen zu unterdrücken stellt der Einsatz eines Bandpassfilters dar. Bandpassfilter werden häufig bei Einbandsendern sowie bei Sendern für den VHF/UHF/SHF-Bereich verwendet. Hierbei müssen oft auch Signalanteile, welche innerhalb der Aufbereitung des Sendesignals entstehen, und sich auch unterhalb der Sendefrequenz befinden können, unterdrückt werden.

Wie schon zuvor erwähnt sind sinusförmige Signale für die Vermeidung von Oberwellenanteilen essentiell. Dies wird unter anderem dadurch erreicht, dass die Senderstufen, insbesondere die Leistungsendstufen eines Senders verzerrungsfrei arbeiten. Erfolgt eine Neueinstellung des Arbeitspunktes einer Sender-Endstufe ist im Anschluss auf jeden Fall auf deren Linearität und die Qualität der Aussendung auf Oberwellenarmut zu prüfen.

EF404: Wann sollte ein Sender auf mögliche Oberwellenaussendungen überprüft werden?

Unerwünschte Aussendungen können auch in unmittelbarer Nähe zum eigentlichen Sendesignal auftreten (vgl. Abbildung ?) und betreffen damit oft andere Funkamateure auf demselben Band. Solche Störungen lassen sich mit Filtern nur schwer oder gar nicht unterdrücken und sollten daher bereits am Anfang der Signalaufbereitung durch geeignete Maßnahmen vermieden werden. Häufig entstehen diese Nebenaussendungen – auch Nebenprodukte genannt und umgangssprachlich als „Splatter“ bezeichnet – durch eine zu hohe Einstellung des Mikrofonverstärkers im Sender, wodurch sich das Sendesignal ungewollt verbreitert.

EJ213: Die Übersteuerung eines Leistungsverstärkers führt zu ...
EJ214: Ein SSB-Sender wird Störungen auf benachbarten Frequenzen hervorrufen, wenn ...

Das Gleiche gilt auch für digitale Übertragungsverfahren, wie zum Beispiel Packet Radio. Um Nebenaussendungen und Überschreitungen der zulässigen Bandbreite zu vermeiden, kann insbesondere bei AFSK-modulierten FM-Sendern entweder der Hub begrenzt oder die NF-Aussteuerung reduziert werden.

EJ212: Sie modulieren Ihren FM-Sender mit einem AFSK-Signal (Niederfrequenzumtastung). Wie können Sie die Bandbreite der Aussendung reduzieren? Durch ...

Auch die Stabilität des im Sender verwendeten Oszillators kann dazu führen, dass Aussendungen außerhalb der Bandgrenzen liegen oder benachbarte Stationen gestört werden. Besonders bei älteren Selbstbaugeräten ohne quarzstabilisierte Oszillatoren ist dies möglich. Moderne Kurzwellentransceiver, aber auch aktuelle Selbstbaugeräte und Bausätze, verfügen in der Regel über sehr stabile Referenzoszillatoren.

EJ216: Welche unerwünschte Auswirkung kann mangelhafte Frequenzstabilität eines Senders haben?

Weiter zum nächsten Abschnitt: Störende Beeinflussung elektronischer Geräte I