Quadraturamplitudenmodulation (QAM)

Bisher haben wir ASK und PSK kennengelernt. Es scheint für beide Verfahren zunächst nahezuliegen, die Anzahl der Symbole möglichst groß zu wählen, damit pro Symbol möglichst viele Informationen übertragen werden können. Doch dann muss ein Empfänger z. B. zwischen vielen unterschiedlichen Amplituden unterscheiden können. Somit wird das Verfahren anfälliger für Störungen.

Um dieses Problem zu mildern, kann man auf einen Trick zurückgreifen: Anstelle der Änderung nur eines Parameters (z. B. der Amplitude) werden pro Symbol zwei Parameter verändert, nämlich die Amplitude und die Phase. Ein Symbol entspricht dann einer Kombination einer bestimmten Amplitude mit einer bestimmten Phasenlage. So ergibt sich trotz kleiner Anzahl unterschiedlicher Amplituden und Phasenlagen dennoch eine größere Anzahl an Symbolen. Bei gleicher Symbolrate können somit mehr Bits pro Sekunde übertragen werden. Dieses Verfahren wird Quadraturamplitudenmodulation (QAM) genannt.

Die Abbildung NEA-16.18.1 zeigt ein 8-QAM-Signal im zeitlichen Verlauf. Jedes Symbol besitzt eine bestimmte Amplitude, eine bestimmte Phasenlage und eine 3-stellige Bitfolge, die durch das Mapping festgelegt ist. Mit jedem Symbol können somit drei Bits übertragen werden. Die Abbildung NEA-16.18.2 zeigt ein 16-QAM-Mapping im Konstellationsdiagramm. Jedes Symbol entspricht einer Kombination aus einer bestimmten Amplitude und einer bestimmten Phasenlage. Mit jedem Symbol können somit vier Bits übertragen werden.

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Kurzzusammenfassung: Diagramm mit dem Titel „8QAM“, das eine blaue Sinusschwingung U über der Zeit t zeigt, in acht Abschnitte unterteilt, jeweils mit Amplituden‑/Phasenangaben und dreibittigen Codes; an jedem Abschnittsübergang ist „Phasenwechsel“ markiert.

Detaillierte Beschreibung: Oben mittig steht der Titel „8QAM“. Links ist die senkrechte Achse mit „U“ und Pfeil nach oben, unten rechts die waagerechte Achse mit „t“ und Pfeil nach rechts; in der Mitte verläuft eine dünne horizontale Nulllinie. Eine durchgehende blaue Sinuskurve ist durch sieben dünne vertikale Linien in acht gleich breite Zeitabschnitte geteilt. Über jeder Trennlinie befindet sich ein kleines gelbes Schild mit der Aufschrift „Phasenwechsel“ (insgesamt 7 Schilder). Unter jedem Abschnitt stehen zwei graue Kästen: oben Amplitude und Phase, unten ein dreibittiger Code. Von links nach rechts:
- Abschnitt 1: „1 | 0°“, darunter „000“; die Sinusamplitude ist groß.
- Abschnitt 2: „0,5 | 45°“, darunter „001“; die Amplitude ist kleiner.
- Abschnitt 3: „0,5 | 135°“, darunter „010“; kleine Amplitude.
- Abschnitt 4: „1 | 90°“, darunter „011“; große Amplitude.
- Abschnitt 5: „0,5 | 315°“, darunter „100“; kleine Amplitude.
- Abschnitt 6: „1 | 270°“, darunter „101“; große Amplitude.
- Abschnitt 7: „1 | 180°“, darunter „110“; große Amplitude.
- Abschnitt 8: „0,5 | 225°“, darunter „111“; kleine Amplitude.
Die sichtbaren Phasenangaben (0°, 45°, 90°, 135°, 180°, 225°, 270°, 315°) und die Amplitudenwerte (1 bzw. 0,5) korrespondieren mit der relativen Lage und Höhe der Sinuskurve in den jeweiligen Abschnitten.
Abbildung NEA-16.18.1: Signalverlauf eines 8QAM-Signals, je Symbol mit Amplitude ($\num{0,5}$ bzw. $\num{1}$), Phasenlage und 3-stelliger Bitfolge
TODO
Abbildung NEA-16.18.2: I-Q-Diagramm für ein 16-QAM-Mapping
AE403: Wie werden Informationen bei der Quadraturamplitudenmodulation (QAM) mittels eines Trägers übertragen? Durch ...

Nachdem wir die I/Q-Darstellung, das Konstellationsdiagramm und die Quadraturamplitudenmodulation kennengelernt haben, stellt sich die Frage, wie ein solches Signal technisch erzeugt werden kann. Dazu kann ein sogenannter I/Q-Modulator verwendet werden.

Ein I/Q-Modulator arbeitet mit zwei Trägern gleicher Frequenz, die um $\qty{90}{\degree}$ gegeneinander phasenverschoben sind. Der erste Träger wird mit dem I-Signal und der um $\qty{90}{\degree}$ phasenverschobene Träger mit dem Q-Signal gewichtet. Abbildung NEA-16.18.3 zeigt das Blockschaltbild eines I/Q-Modulators.

Anschließend werden die beiden modulierten Träger addiert. Je nachdem, welche Werte I und Q besitzen, entsteht dadurch ein Signal mit einer bestimmten Amplitude und Phasenlage. Werden die Werte von I und Q verändert, kann sich somit sowohl die Amplitude als auch die Phase des resultierenden Signals ändern.

1) Kurzbeschreibung: Blockschaltbild mit Signalfluss von links nach rechts mit zwei Mischern, einem Generator „G“, einem Block „φ“ und einem Addierer; die Eingänge „I“ und „Q“ werden jeweils gemischt und die Ergebnisse zum Ausgang „X“ zusammengeführt..

2) Ausführliche Beschreibung: Gezeigt ist ein Blockschaltbild aus vier untereinander stehenden Blöcken. Oben links führt eine Verbindung vom Anschlusspunkt „I“ nach rechts in einen Mischer (Quadrat mit Kreis und diagonaler „X“-Markierung). Unterhalb des Mischers befindet sich ein Block mit der Aufschrift „G“, drei wellenförmigen Linien und einem kleinen Rechteck mit je einer Linie darüber und darunter (Oszillator). Aus „G“ führt eine vertikale Linie nach oben zum oberen Mischer sowie eine weitere vertikale Linie nach unten zu einem Block mit dem Symbol „φ“. Vom „φ“-Block führt eine vertikale Linie nach unten in einen unteren Mischer (gleiches Symbol wie oben). Links unten führt eine Linie vom Anschlusspunkt „Q“ nach rechts in diesen unteren Mischer. Vom rechten Ausgang des oberen Mischers führt eine horizontale Leitung nach rechts und knickt nach unten ab zu einem Addierer (Quadrat mit Kreis und Pluszeichen). Vom rechten Ausgang des unteren Mischers führt eine horizontale Linie nach rechts und dann nach oben in den unteren Eingang des Addierers. Rechts vom Addierer führt eine horizontale Linie zu einem Anschlusspunkt „X“.
Abbildung NEA-16.18.3: Blockschaltbild eines I/Q-Modulators

Das Ganze lässt sich leicht mathematisch beschreiben. Für die Summe eines Cosinus-Trägers mit einem anderen, um $\qty{90}{\degree}$ phasenverschobenen Cosinus-Träger gilt folgender Zusammenhang:

$$ I(t)\cdot \cos\left(\omega t\right) + Q(t)\cdot \cos\left(\omega t + \qty{90}{\degree}\right)=A \cdot \cos\left(\omega t+\phi\right) $$

Es entsteht also ein neues Cosinussignal mit einer Amplitude von

$$A=\sqrt{I(t)^2 + Q(t)^2}$$

und einer Phasenverschiebung von

$$ \phi = \operatorname{atan2}\left(Q(t),I(t)\right)$$

$I(t)=$

50%

$Q(t)=$

50%

$A=$
0
und $\phi=$
0

Man kann das auch als Konstellationsdiagramm betrachten:
AF632: Wie groß muss die Phasenverschiebung $\varphi$ in der dargestellten Modulatorschaltung sein, damit eine korrekte Quadraturmodulation vorliegt?
1) Kurzbeschreibung: Blockschaltbild mit Signalfluss von links nach rechts mit zwei Mischern, einem Generator „G“, einem Block „φ“ und einem Addierer; die Eingänge „I“ und „Q“ werden jeweils gemischt und die Ergebnisse zum Ausgang „X“ zusammengeführt..

2) Ausführliche Beschreibung: Gezeigt ist ein Blockschaltbild aus vier untereinander stehenden Blöcken. Oben links führt eine Verbindung vom Anschlusspunkt „I“ nach rechts in einen Mischer (Quadrat mit Kreis und diagonaler „X“-Markierung). Unterhalb des Mischers befindet sich ein Block mit der Aufschrift „G“, drei wellenförmigen Linien und einem kleinen Rechteck mit je einer Linie darüber und darunter (Oszillator). Aus „G“ führt eine vertikale Linie nach oben zum oberen Mischer sowie eine weitere vertikale Linie nach unten zu einem Block mit dem Symbol „φ“. Vom „φ“-Block führt eine vertikale Linie nach unten in einen unteren Mischer (gleiches Symbol wie oben). Links unten führt eine Linie vom Anschlusspunkt „Q“ nach rechts in diesen unteren Mischer. Vom rechten Ausgang des oberen Mischers führt eine horizontale Leitung nach rechts und knickt nach unten ab zu einem Addierer (Quadrat mit Kreis und Pluszeichen). Vom rechten Ausgang des unteren Mischers führt eine horizontale Linie nach rechts und dann nach oben in den unteren Eingang des Addierers. Rechts vom Addierer führt eine horizontale Linie zu einem Anschlusspunkt „X“.
AE404: Wie wird Quadraturamplitudenmodulation (QAM) üblicherweise erzeugt? Durch ...

In einem digitalen System können die Werte für I und Q sehr einfach in Software erzeugt werden. Dazu ordnet beispielsweise ein Mikrocontroller, Signalprozessor oder SDR jedem zu übertragenden Symbol zwei Zahlenwerte für I und Q zu. Ein Signalpunkt im Konstellationsdiagramm entspricht somit unmittelbar einem Wertepaar $(I,Q)$.

Bei einer 16-QAM könnten beispielsweise für I und Q jeweils vier unterschiedliche Werte verwendet werden. Durch ihre Kombination entstehen die $\num{16}$ verschiedenen Signalpunkte. Die Software muss für jedes Symbol lediglich die zum gewünschten Signalpunkt gehörenden I- und Q-Werte ausgeben.

Die zunächst digitalen Zahlenwerte für I und Q können anschließend mit zwei DA-Wandlern in analoge Spannungen umgewandelt und dem I/Q-Modulator zugeführt werden. So lässt sich praktisch jeder gewünschte Punkt im Konstellationsdiagramm durch Software erzeugen. Moderne Software Defined Radios (SDR) nutzen genau dieses Prinzip: Ein großer Teil der Modulation wird nicht mehr durch fest verdrahtete analoge Schaltungen festgelegt, sondern durch die Berechnung der I- und Q-Signale in Software.

Ein I/Q-Modulator ist dabei keineswegs auf digitale Modulationsverfahren wie QPSK oder QAM beschränkt. Anstelle einzelner fester I- und Q-Werte kann die Software auch kontinuierlich veränderliche Signalverläufe für I und Q berechnen. Damit lassen sich auch analoge Modulationsverfahren erzeugen.

Bei einer Amplitudenmodulation wird beispielsweise die Länge des resultierenden Signalzeigers verändert. Bei einer Phasenmodulation wird sein Winkel verändert. Auch bei einer Frequenzmodulation wird die Phase des Signalzeigers kontinuierlich verändert, wobei die Geschwindigkeit dieser Phasenänderung die momentane Frequenz bestimmt. Mit zwei passend erzeugten I- und Q-Signalen lässt sich außerdem ein Einseitenbandsignal (SSB) erzeugen.

Mit demselben I/Q-Modulator können daher unter anderem AM, FM, PM, SSB, PSK und QAM erzeugt werden. Lediglich die I- und Q-Signale müssen jeweils anders berechnet werden.

Der I/Q-Modulator ist damit gewissermaßen das „Schweizer Taschenmesser der Modulatoren“. Dies ist zugleich ein wesentlicher Grund für die große Flexibilität moderner SDR-Technik: Das verwendete Modulationsverfahren wird zu einem großen Teil durch Software bestimmt, während die Hochfrequenzhardware weitgehend unverändert bleiben kann.


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