Oszilloskop II

In der Klasse E haben wir gelernt, das ein Oszilloskop stellt den zeitlichen Verlauf von Spannungen darstellt. Wir können also mit einem Oszilloskop Signalverläufe prüfen.

AI301: Welches Gerät kann für die Prüfung von Signalverläufen verwendet werden?

Der folgende Alt-Text wurde noch nicht geprüft: 1) Kurze Zusammenfassung: Ein Oszilloskop-Diagramm zeigt einen einzelnen rechteckigen Puls mit markierter „Impulsdauer“ und einer „50%“-Markierung.

2) Detaillierte Beschreibung: Das Bild zeigt ein Raster wie auf einem Oszilloskop. Am linken Rand steht vertikal „3 V/Div.“ und unten links „0 V“. Unten rechts steht „50 μs/Div.“. Eine dicke schwarze Kurve verläuft zunächst auf dem unteren Niveau, steigt links mit einer schrägen Flanke an, bildet oben ein waagerechtes Plateau über mehrere Kästchen und fällt rechts mit einer schrägen Flanke wieder auf das untere Niveau ab. Zwischen der ansteigenden und der abfallenden Flanke ist ein orangefarbener, waagerechter Doppelpfeil mit der Beschriftung „Impulsdauer“ eingezeichnet; die Pfeilspitzen zeigen jeweils auf die Flanken. In der Mitte des Pulses befindet sich ein blauer, senkrechter Doppelpfeil mit der Beschriftung „50%“.
Abbildung A-2.3.1: Bestimmung der Impulsbreite eines nicht-idealen Rechtecksignals

Neben den Sinusförmingen Wechselspannugen kommen durch die Digitaltechnik auch rechteckförmige Spannungen vor. Einen exakt rechteckigen Spannungsverlauf kann es aber nicht geben. Die Kanten sind immer ein bisschen schräg oder verformt. Die Zeit zwischen dem Ansteigen und dem Abfallen eines Rechtecks, die man Pulsbreite oder Impulsdauer nennt, wird deshalb immer bei halber Höhe, also bei 50% der Spannung, gemessen. So ist sichergestellt, dass beim gleichen Signal alle zum gleichen Messergebnis kommen.

Grund für diese Verformungen sind die unvermeidlichen Kapazitäten und Induktivitäten in Leitungen und Bauteilen, die wie Filter wirken und die hohen Frequenzanteile eines Rechtecksignals dämpfen.

AI303: Die Pulsbreite wird mit einem Oszilloskop bei ...
EI303: Die Impulsdauer beträgt hier ...
1) Kurzbeschreibung: Diagramm aus einem rechteckigen Gitter und mit einer horizontalen Achse „50 µs/Div.“ und einer vertikalen Achse „3 V/Div.“; breite Kurve mit steilen Flanken und einem horizontalen Anteil in der Mitte.

2) Ausführliche Beschreibung: Die Abbildung zeigt ein Koordinatensystem aus einem rechteckigen Gitter mit einer horizontalen Achse „50 µs/Div.“ und einer vertikalen Achse „3 V/Div.“. Unten links steht an der ersten Gitterlinie von unten die Angabe „0 V“. Eine breite Kurve beginnt bei „0 V“ nahe dem linken Rand, verläuft steil nach oben, erreicht eine horizontalen Phase in der Mitte und fällt ebenso steil wieder auf „0 V“ nahe dem rechten Rand ab.

Oszilloskope können Signale mit unterschiedlichsten Frequenzen und Verläufen darstellen. Damit diese Signale auf dem Bildschirm stabil erscheinen, besitzen Oszilloskope eine sogenannte Triggereinrichtung (engl. trigger = „auslösen“). Dabei überwacht das Gerät das Eingangssignal kontinuierlich und startet die Aufnahme genau dann, wenn eine zuvor festgelegte Bedingung erfüllt ist – zum Beispiel, wenn das Signal eine bestimmte Spannung, die sogenannte Triggerspannung, überschreitet. Ab diesem Moment beginnt die Abtastung und Speicherung der Messwerte, die anschließend als Kurve auf dem Bildschirm dargestellt werden.

Durch dieses Verfahren startet jede Darstellung stets am gleichen Signalzustand, sodass periodische Signale wie Sinusschwingungen oder Rechteckimpulse scheinbar eingefroren und klar erkennbar sind. Digitale Oszilloskope können darüber hinaus auch Einzelbilder anzeigen, den Bildschirm also „einfrieren“. Das erleichtert die Analyse nichtperiodischer Signale. Die dafür vorgesehene Taste ist meist mit SINGLE beschriftet. Außerdem lassen sich mehrere Messungen überlagern, um beispielsweise zeitliche Schwankungen eines Signals (engl. jitter) sichtbar zu machen.

AI302: Was benötigt ein Oszilloskop zur Darstellung stehender Bilder?

Nicht jede Leitung eignet sich für Hochfrequenzsignale – das gilt auch für die Verbindung zwischen Messobjekt und Oszilloskop. Dafür verwendet man in der Regel sogenannte Tastköpfe. Sie stellen die Verbindung her und sorgen dafür, dass das Signal möglichst unverfälscht übertragen wird, ohne die Schaltung stark zu belasten. Dazu reduzieren sie die Signalspannung (z. B. im Verhältnis 10:1), passen Widerstand und Kapazität an und enthalten oft eine Kompensation für hohe Frequenzen.

Ein Tastkopf besteht aus einem griffähnlichen Gehäuse, vergleichbar mit einem Kugelschreiber. An seiner Spitze können verschiedene Haken oder Nadeln angebracht werden, um die Messstelle zu kontaktieren. Die Masseverbindung erfolgt über eine Krokodilklemme (siehe Abbildung A-2.3.2). Abbildung A-2.3.3 zeigt drei Beispiele solcher Tastköpfe. Hochwertige Modelle sind entsprechend teuer, da sie hohe Bandbreiten, minimale Signalverfälschung und eine präzise Mechanik bieten müssen.

Der folgende Alt-Text wurde noch nicht geprüft: 1) Kurzfassung: Geöffnete Elektronikbaugruppe in einem Metallgehäuse mit einer kleinen grünen Leiterplatte, mehreren Koax‑Steckverbindern und angesetzten Messleitungen.

2) Detaillierte Beschreibung: In der rechten Bildhälfte liegt eine grüne Leiterplatte mit weißer Beschriftung; sichtbar sind u. a. Bezeichnungen C1, C2, C3, L1, L2, D1, D2 sowie der Aufdruck „465 MHz in“. Neben den Markierungen für D1/D2 sind zwei kleine bedrahtete Bauteile mit Farbringen eingelötet; daneben liegen weitere bestückte und unbestückte SMD‑Plätze. Am rechten Rand ragt ein goldfarbener, verschraubter Koax‑Steckverbinder (SMA‑Bauform) nach unten aus dem Gehäuse; auf dem Sechskant steht „Telegärtner“. Links führt ein schwarzes Koaxkabel über einen rechtwinkligen metallischen Adapter auf die Platine. Über der Platine sind zwei schwarze Tastköpfe oder Leitungen angesetzt; ein spitzer schwarzer Prüfstift berührt einen Lötpunkt neben den beschrifteten Bauteilen. Die Platine ist mit mehreren Lötstellen, etwas Flussmittelrückständen und einer Schraube am Gehäuse befestigt; der Hintergrund besteht aus blankem Metall. Ein rosafarben ummanteltes Koaxkabel verläuft von unten rechts zum goldfarbenen Stecker.
Abbildung A-2.3.2: Messung mit einem Tastkopf. Zwischen den Dioden D1 und D2 ist die Prüfspitze zu sehen und weiter links die Krokodilklemme für die Masseverbindung.

Der folgende Alt-Text wurde noch nicht geprüft: 1) Kurzzusammenfassung: Drei schwarze Oszilloskop‑Tastköpfe liegen parallel auf einer hellen Holzoberfläche.

2) Detailbeschreibung: Die drei Sonden sind horizontal ausgerichtet, mit den Spitzen nach links und den Kabeln nach rechts. Oben befindet sich ein schwarzer Tastkopf mit der Aufschrift „PVP2350“, Warnsymbol und gelbem Ring an der Zugentlastung; die Spitze ist mit einer länglichen schwarzen Schutzkappe versehen. In der Mitte liegt ein schwarzer Tastkopf mit blauem Einstellring und der blauen Beschriftung „x10“, „TESATEC“, „SERIE LF“, „Max. 600V“; an der Spitze ist eine kleine Haken- oder Steckspitze sichtbar, teils von einer kurzen Kappe umgeben. Unten liegt ein weiterer schwarzer Tastkopf mit weiß/blauer Beschriftung „x1“, „TESATEC“, „max. 400Vp“; hier ist eine feine, nadelförmige Metallspitze freiliegt. Die Gehäuse haben gerippte Griffflächen, die Kabel führen nach rechts aus dem Bild, und die Holzoberfläche zeigt deutliche Maserung.
Abbildung A-2.3.3: Tastköpfe mit verschiedenen Prüfspitzen. Die Krokodilklemmen wurden für diese Aufnahme abgenommen.

Die einfachsten Tastköpfe verbinden die Prüfspitze direkt mit dem Messeingang. Man spricht von 1:1-Tastköpfen, weil die an der Spitze anliegende Spannung unverändert zum Oszilloskop gelangt. Tastköpfe für hohe Frequenzen sind aufwändiger gebaut. Sie teilen die Eingangsspannung auf einen kleineren Wert, oft ein Zehntel, herunter. Wenn man mit so einem 10:1-Tastkopf eine Spannung von 10 Volt misst, wird auf dem Bildschirm 1 Volt angezeigt.

Bei manchen Oszilloskopen kann man einstellen, welches Teilverhältnis der Tastkopf hat. Dann wird auf dem Bildschirm die tatsächliche Spannung anzezeigt. Passive 10:1-Tastköpfe enthalten unter anderem einen 9-MΩ-Widerstand, der im Signalweg liegt. Oszilloskope haben in der Regel einen Innenwiderstand von 1 MΩ. So ergibt sich ein 10:1-Spannungsteiler. Außerdem ist im Tastkopf oder im Stecker ein kleiner Drehkondensator vorhanden. Er dient zur Anpassung der Kapazität von Tastkopf und Kabel an den Messeingang und wird so eingestellt, dass ein Rechtecksignal möglichst unverfälscht auf dem Bildschirm erscheint. Neben den hier beschriebenen, passiven Tastköpfen existieren mehrere andere Varianten. Es gibt zum Beispiel Tastköpfe mit angepasstem 50-Ohm-Koaxkabel. Sie sind besonders gut für sehr hohe Frequenzen geeignet, haben aber nur einen relativ kleinen Innenwiderstand. Aktive Ausführungen lösen dieses Problem, indem das Signal direkt im Tastkopf verstärkt wird.


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