Spule II

In der Klasse E haben wir uns auch schon mit der Spule beschäftigt. Bei Gleichstrom hat die Spule im eingeschwungenen Zustand einen sehr kleinen Widerstand. Die Spule wirkt dann wie ein Stück Draht. Beim Wechselstrom jedoch, zeigt die Spule, ähnlich wie ein Kondensator, einen Wechselstromwiderstand $X_{\textrm{L}}$, das heißt, obwohl der Spulendraht nur einen sehr kleinen ohmschen Widerstand (Leiterwiderstand) besitzt, fließt ein Strom, der aber mit steigender Frequenz der Wechselspannung kleiner wird:

$$|X_{L}| = \omega \cdot L = 2\cdot\pi\cdot f \cdot L$$

Aus der Formel lässt sich erkennen, dass der Wechselstromwiderstand mit zunehmender Frequenz ansteigt und mit abnehmender Frequenz sinkt. Im gegensatz zum Kondensator ist der Wechelstromwiderstand einer Spule positiv.

Warum ist der induktive Blindwiderstand positiv? Der Hintergrund liegt wieder in der komplexen Wechselstromrechnung, die für die Amateurfunkprüfung nicht zwingend erforderlich ist.

Für Leserinnen und Leser mit Kenntnissen in komplexen Zahlen sei jedoch angemerkt, dass die korrekte Darstellung des induktiven Blindwiderstands eigentlich

$$X_L = j\omega L$$

lautet. Dabei steht $j$ wieder für die imaginäre Einheit $\sqrt{-1}$.

Daraus wird ersichtlich, dass der induktive Blindwiderstand nicht nur positiv, sondern auch komplex ist. Das positive Vorzeichen beschreibt dabei die Phasenlage zwischen Strom und Spannung an der Spule welche wir in diesem Kapitel noch genauer betrachten.

AC202: Welches Vorzeichen hat der Blindwiderstand einer idealen Spule und von welchen physikalischen Größen hängt er ab? Der Blindwiderstand ist ...
AC203: Beim Anlegen einer Gleichspannung $U$ = 1 V an eine Spule messen Sie einen Strom. Wird der Strom beim Anlegen von einer Wechselspannung mit $U_{\textrm{eff}}$ = 1 V größer oder kleiner?

Mit einem vektoriellen Network Analyzer (VNA) lässt sich die Veränderung des induktiven Blindwiderstandes $X_L$ in Abhängigkeit von der Frequenz darstellen (vgl. Abbildung A-3.3.1).

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1) Zusammenfassung:
Screenshot eines Messprogramms mit dem Diagramm „Scheinwiderstand & Phasenwinkel als Funktion der Frequenz“ (500 kHz bis 10 MHz), einer blau ansteigenden |Z|-Kurve, einer roten nahezu konstanten Phasenlinie nahe +90° und vier gesetzten Markern.

2) Detaillierte Beschreibung:
- Titel oben: „Scheinwiderstand & Phasenwinkel als Funktion der Frequenz“.
- Linke Skala: „|Z| / Ohm“ (logarithmisch, von 2 bis 10.000). Rechte Skala: „Phi / Grad“ (−90° bis +90°, 0° in der Mitte).
- Datenverläufe: Blaue Kurve (Scheinwiderstand) steigt im unteren zweistelligen Ohm-Bereich über die Frequenz an. Rote Linie (Phasenwinkel) verläuft am oberen Rand nahezu horizontal nahe +90°.
- Frequenzachse unten: 500 kHz bis 10 MHz; Markierungen bei 1M, 2M, 5M u. a.
- Marker 1–4 sind als kleine Dreiecke mit Zahlen auf der blauen Kurve bei etwa 0,5 MHz, 1,6 MHz, 2,5 MHz und 5,0 MHz platziert.
- Werteanzeige der Marker (aus den Feldern unten):
  - Marker 1: Frequenz 502,217 kHz; Reell: 0,4; Blind: 10,1; Phase: 87,7; SWR: 130.1
  - Marker 2: Frequenz 1,6010 MHz; Reell: 0,6; Blind: 31,0; Phase: 88,9; SWR: 115.4
  - Marker 3: Frequenz 2,5032 MHz; Reell: 0,8; Blind: 49,1; Phase: 89,2; SWR: 122.8
  - Marker 4: Frequenz 4,9921 MHz; Reell: 1,2; Blind: 99,3; Phase: 89,7; SWR: 412.3
- Bedienleiste unten: fStart 500,000 k (links), fStop 10,000 M (rechts); Typ „RG58/CU“; Länge 0,00 m; Batterieanzeige 12,20 V; „Memory Off“; Spur „2“ ausgewählt.
Abbildung A-3.3.1: Veränderung des induktiven Blindwiderstandes $X_L$ einer Spule von $\qty{500}{\kilo\hertz}$ bis $\qty{10}{\mega\hertz}$

Versuche nun die folgendn Frage durch die obige Formel zu beantworten. Achte dabei besonders auf die Einheiten bzw. die Zehnerpotenzen, damit du die richtigen Ergebnisse erhältst.

AC204: Wie groß ist der Betrag des induktiven Blindwiderstands einer Spule mit 3 μH Induktivität bei einer Frequenz von 100 MHz?

Ähnlich wie beim Kondensator tritt auch bei der Spule eine Phasenverschiebung zwischen Spannung und Strom auf. Diese beträgt $\qty{+90}{\degree}$, wobei der Strom der Spannung nacheilt, wie in Abbildung A-3.3.2 dargestellt. Die rote Linie in Abbildung A-3.3.1 zeigt die Phasenlage des induktiven Blindwiderstandes $X_L$ bei ca. $\qty{+90}{\degree}$.

Merkhilfe: Bei der Induktivitääät kommt der Strom zu spääät!

AC201: In einer idealen Induktivität, die an einer Wechselspannungsquelle angeschlossen ist, eilt der Strom der angelegten Spannung ...

Daraus ergibt sich eine Leistungskurve, die symmetrisch um die Nulllinie schwankt. Der Mittelwert dieser Leistung ist null, das heißt, es wird – genau wie beim Kondensator – keine Wirkleistung aufgenommen. Stattdessen wird Energie periodisch im Magnetfeld der Spule gespeichert und wieder an die Quelle zurückgegeben.

Man spricht daher bei einer ideal verlustfreien Spule von Blindleistung und einem Blindwiderstand.

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1) Kurzzusammenfassung: Drei sinusförmige Kurven mit den Legenden U (blau), I (orange) und P (grün) sind über der Zeitachse t dargestellt; die Fläche zwischen der grünen Kurve und der Nulllinie ist abwechselnd ober- und unterhalb schattiert.

2) Detaillierte Beschreibung: Ein kartesisches Koordinatensystem mit vertikaler Achse (Pfeil nach oben) und horizontaler Achse (Pfeil nach rechts) zeigt in der Mitte eine durchgehende horizontale Nulllinie; rechts neben dem Pfeil der Horizontalachse steht kursiv t. Im rechten oberen Bildbereich befindet sich eine Legende: ein grüner Linienstrich mit der Beschriftung P, ein orangefarbener mit I und ein blauer mit U (alle kursiv). Über die gesamte Breite verlaufen drei glatte Sinuskurven: Die blaue Kurve U besitzt die größte Amplitude und die längste Wellenlänge (etwa eineinhalb Perioden im Bild), die orange Kurve I hat kleinere Amplitude und ist gegenüber U phasenverschoben, und die grüne Kurve P hat die kleinste Amplitude und ungefähr die doppelte Frequenz der blauen (sie zeigt etwa drei Perioden im Bild). Die grüne Kurve schneidet die Nulllinie mehrfach; die Fläche zwischen der grünen Kurve und der Nulllinie ist halbtransparent grün gefüllt, sowohl oberhalb als auch unterhalb der Nulllinie, wodurch sich abwechselnde, linsenförmige Schattierungen ergeben.
Abbildung A-3.3.2: Das Produkt von $U \cdot I$ ergibt die grüne Leistungskurve

Sollte eine Spule bei Hochfrequenzanwendungen warm werden, dann besitzt sie Verluste, die diese Erwärmung bewirken. Die Verluste entstehen durch den ohmschen Widerstand des Drahtes und zusätzlich wirkt auch noch der Skin-Effekt, der den Drahtquerschnitt scheinbar verkleinert. Auch hier wird, wie beim Kondensator die Güte $Q$ bzw. der Verlustfaktor $\tan\delta$ zur Beschreibung der Verluste herangezogen.

AC209: Neben dem induktiven Blindwiderstand treten in der mit Wechselstrom durchflossenen Spule auch Verluste auf, die rechnerisch in einem seriellen Verlustwiderstand zusammengefasst werden können. Als Maß für die Verluste in einer Spule wird auch ...

Nun haben wir den kapazitiven Blindwiderstand $X_C$ des Kondensators und den induktiven Blindwiderstand $X_L$ der Spule kennengelernt. Beide Größen sind frequenzabhängig und bilden zusammen mit dem ohmschen Widerstand $R$ die sogenannte Impedanz $Z$ eines Bauteils.

Die Blindwiderstände $X_L$ und $X_C$ wirken dabei entgegengesetzt und können sich gegenseitig teilweise oder vollständig aufheben. Für die Verrechnung der Blindwiderstände mit dem ohmschen Widerstand ist jedoch keine einfache algebraische Addition möglich, sondern eine geometrische Addition notwendig. Diese erfolgt mithilfe des Satzes des Pythagoras (vgl. Abbildung A-3.3.3).

Das Ergebnis ist die Impedanz $Z$, die den komplexen Gesamtwiderstand eines Bauteils beschreibt. Der Betrag der Impedanz $|Z|$ entspricht dem sogenannten Scheinwiderstand:

$$Z = \sqrt{R^2 + (X_L - X_C)^2}$$

oder vereinfacht (vgl. Formelsammlung – Stichwort: Scheinwiderstand):

$$Z = \sqrt{R^2 + X^2}$$

In der Hochfrequenztechnik spielt die Impedanz eine zentrale Rolle, da sie das Verhalten von Bauteilen in Schaltungen bestimmt und insbesondere für die Anpassung von Leitungen, Antennen und Verstärkern entscheidend ist. Sie wird in Ohm ($\unit{\ohm}$) angegeben und beschreibt den Gesamtwiderstand eines Bauteils bei Wechselstrombetrieb. Bei einer Reihenschaltung von Blindwiderstand und Wirkwiderstand ergibt sich ein Scheinwiderstand $Z$, der nur im Betrieb an Wechselspannung auftritt und nicht mit einem Ohm-Meter gemessen werden kann.

TODO
Abbildung A-3.3.3: Impedanz $Z$ als geometrische Addition von $R$ und $X$

Die Impedanz $Z$ ist eine komplexe Größe, die sowohl den ohmschen Widerstand $R$ als auch die Blindwiderstände $X_L$ und $X_C$ berücksichtigt ($Z = R + j\cdot X$).

AA101: Welche Einheit wird üblicherweise für die Impedanz verwendet?

Wirkwiderstand $\qty{100}{\ohm}$ und Blindwiderstand $\qty{100}{\ohm}$ in Reihenschaltung ergeben einen Scheinwiderstand (Impedanz) von $\qty{141}{\ohm}$. Das Ergebnis entsteht durch geometrische Addition der beiden Widerstände über ein rechtwinkliges Dreieck nach dem den Satz des Pythagoras $a^2 + b^2 = c^2$. Für die Widerstände bedeutet dies: $R^2 + X_L^2 = Z^2$

$$Z = \sqrt{(\qty{100}{\ohm})^2 + (\qty{100}{\ohm})^2} = \qty{141}{\ohm}$$

Die Induktivität einer Spule haben wir auch bereits in der Klasse E kennengelernt. Grundsätzlich steigt die Induktivität wenn die Windungszahl erhöht wird, die Spulenlänge verkürzt wird, die Querschnittsfläche der Spule vergrößert wird und ein magnetisch leitfähigeres Material als Spulenkern verwendet wird. Zur Erhöhung der Induktivität, ohne die Windungszahl drastisch zu steigern, wird die Wicklung auf einen Ferritringkern gewickelt. Drosselspulen mit hoher Induktivität werden zur Verringerung hochfrequenter Ströme eingesetzt.

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Kurzfassung: Ein gelber, runder Ringkern mit grüner Aufschrift „T68-6“ liegt auf hellem Hintergrund; darunter steht mehrzeiliger erklärender Text mit Typ, Hersteller und technischen Daten.

Detaillierte Beschreibung: Im Bildzentrum befindet sich ein glänzender, gelb lackierter Ringkern (Toroid) mit gleichmäßigem Querschnitt und kreisförmiger Öffnung; oben auf dem Ring ist mit grünem Filzstift „T68-6“ handschriftlich notiert. Der Hintergrund ist hellgrau bis beige. Unter dem Ring steht zentriert in schwarzer Schrift ein Block Text mit folgenden Zeilen: „Eisenpulverringkern Typ: T 68 – 6“, „Hersteller: Amidon“, „Innendurchmesser: 9,5 mm“, „Außendurchmesser: 18 mm“, „Kernmaterial: Nr. 6 gelb“, „A_L = 4,7 µH“, „Geeignet von 10 MHz bis 50 MHz“.
Abbildung A-3.3.4: Beispiel für einen Pulvereisenringkern
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1) Kurzbeschreibung: Ein dunkelgrauer, ringförmiger Ferritkern liegt zentriert auf hellem Hintergrund, darunter steht ein mehrzeiliger schwarzer Text mit Typ- und Maßangaben.

2) Detaillierte Beschreibung: In der Bildmitte befindet sich ein kleiner, matt dunkelgrauer Toroid (Ringkern) mit rundem Querschnitt; er wirft einen leichten Schatten auf den hellen, leicht strukturierten Untergrund. Unterhalb des Rings ist in schwarzer Schrift folgender Text zu sehen:
- „Ferritkern Typ: FT 50 – 77“
- „Hersteller: Fair-Rite“
- „Außendurchmesser: 12,7 mm“
- „Innendurchmesser: 7,14 mm“
- „Kernmaterial: 77 (Mangan-Zink)“
- „AL = 1180 nH“
- „Für Breitbandtransformatoren von 0,5 MHz bis 50 MHz“
Abbildung A-3.3.5: Beispiel für einen Ferritkern

AC211: Das folgende Bild zeigt einen Kern, um den ein Kabel für den Bau einer Drossel gewickelt ist. Der Kern sollte üblicherweise aus ...
1) Kurzbeschreibung: Ein großer, grauer Ring ist mit einem Leiter mit sieben Windungen umwickelt, dessen Enden über den Ring nach unten hinausragen.

2) Ausführliche Beschreibung: In der Bildmitte befindet sich ein breiter, hellgrauer Ring mit einer weißen, runden Öffnung in der Mitte. Dieser Ring ist mit einem Leiter mit sieben Windungen umwickelt, dessen Enden im unteren Teil der Abbildung schräg nach links und rechts aus dem Ring heraus verlaufen. Es gibt keine Achsen, Skalen, Beschriftungen oder Text.

Bei Ringkernspulen wird zur Erleichterung der Induktivitätsberechnung ein sogenannter $A_\text{L}$-Wert des Kernmaterials angegeben. Die Berechnung der Induktivität lautet dann: $L = N^2 \cdot A_\text{L}$ (siehe Formelsammlung – Stichwort: Induktivität einer Ringkernspule). Versuche nun damit die folgenden Fragen zu beantworten.

Die Benennung des $A_\text{L}$-Wertes ist in Nanohenry pro Windungen im Quadrat angegeben.

AC205: Wie groß ist die Induktivität einer Spule mit 14 Windungen, die auf einen Kern mit einer Induktivitätskonstante ($A_{\textrm{L}}$-Wert) von 1,5 nH gewickelt ist?
AC206: Wie groß ist die Induktivität einer Spule mit 300 Windungen, die auf einen Kern mit einer Induktivitätskonstante ($A_{\textrm{L}}$-Wert) von 1250 nH gewickelt ist?
AC207: Mit einem Ringkern, dessen Induktivitätskonstante ($A_{\textrm{L}}$-Wert) mit 250 nH angegeben ist, soll eine Spule mit einer Induktivität von 2 mH hergestellt werden. Wie groß ist die erforderliche Windungszahl etwa?
AC208: Ein Spulenkern hat eine Induktivitätskonstante ($A_{\textrm{L}}$-Wert) von 30 nH. Wie groß ist die erforderliche Windungszahl zur Herstellung einer Induktivität von 12 μH in etwa?

Wenn sich innerhalb der Spule ein magnetisch leitfähiges Material befindet (z. B. Eisen, Ferrit) dann wird das Magnetfeld verstärkt. Die dann wirksame magnetische Flussdichte $B$ lässt sich mit der Formel (siehe Formelsammlung – Stichwort: Magnetische Flussdichte)

$$B = \mu_0 \cdot \mu_r \cdot H$$

berechnen. Dabei entspricht $\mu_0$ der magnetischen Feldkonstante $\qty{1,2566e-6}{\volt\second\per\ampere\meter}$ und $\mu_r$ steht für die relative Permeabilität des Kernmaterials in der Spule. Für Luft wird der Faktor $1$ eingesetzt (siehe Formelsammlung – Stichwort: Magnetische Feldkonstante; relative Permeabilität).

Zur Abschirmung eines Magnetfeldes benötigt man ein magnetisch gut leitfähiges Material, zum Beispiel Weißblech. Die Abbildung A-3.3.6 zeigt ein Beispiel für Spulen mit Abschirmbecher. Die metallischen Abschirmbecher enthalten Spulen mit einem verstellbaren Ferritkern, der über die Öffnung von oben mit einem Schraubendreher hinein- oder herausgedreht wird. Dadurch ändert sich die Induktivität der Spule.

AC210: Um die Abstrahlungen der Spule eines abgestimmten Schwingkreises zu verringern, sollte die Spule ...

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Abbildung A-3.3.6: Beispiel für Spulen mit Abschirmbecher zur Abschirmung von magnetischen Feldern


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