In der Klasse E haben wir das Konzept des kurzen und langen Weges bereits kennengelernt. In der Klasse A möchten wir dieses Thema noch etwas vertiefen. Eine geradlinige Verbindung zwischen zwei Orten auf einer Kugel verläuft immer entlang des Großkreises. Die Richtung des kurzen und des langen Weges zum anderen Ort unterscheiden sich in der Richtung daher um genau $\qty{180}{\degree}$. Abbildung NEA-3.26.1 zeigt den Großkreis auf der Erdkugel – in Blau den kurzen Weg und in Rot den langen Weg, der einmal vollständig um den Globus herumführt.
Für Richtantennen (engl. Beams) gibt es sogenannte Beam-Karten, die die Wege aller möglichen Großkreise für einen bestimmten Startpunkt darstellen. Dabei handelt es sich um eine mittabstandstreue Azimutalprojektion, also eine Projektion des Erdballs auf eine Scheibe, in der sowohl die Entfernung als auch die Richtung jedes Punktes zum Kartenmittelpunkt exakt wiedergegeben werden. Der Funkamateur nutzt diese Kartendarstellung, um seine Richtantenne in die richtige Richtung zu drehen. Der angegebene Winkel entspricht dabei dem Winkel, der auch auf den typischen Rotorsteuerungen angezeigt wird. Abbildung NEA-3.26.2 zeigt eine solche Beam-Karte mit Berlin als Standort der Amateurfunkstation. Dass die Darstellung vom Standort der Station abhängt, erkennt man in Abbildung NEA-3.26.3, die eine Beam-Karte für Sydney in Australien darstellt.
Wie in Abbildung NEA-3.26.2 dargestellt, beträgt die Entfernung von Deutschland nach Australien auf dem kurzen Weg über Ostasien rund $\qty{16.000}{\kilo\meter}$ bei einem Azimut von etwa $\qty{75}{\degree}$. Wählt man hingegen den langen Weg, so richtet man die Antenne auf $\qty{255}{\degree}$ aus und überbrückt dabei fast $\qty{24.000}{\kilo\meter}$ – der Signalweg führt dann über Südamerika und den Südpazifik.
Obwohl Abbildung NEA-3.26.2 nicht für Frankfurt am Main, sondern für Berlin erstellt wurde, lassen sich damit die folgenden Fragen grob beantworten. In der Prüfung steht leider keine Beam-Karte als Hilfsmittel zur Verfügung. Wir empfehlen daher, sich die ungefähren Winkel der Kontinente einzuprägen – das ist auch später für den Funkbetrieb auf Kurzwelle hilfreich.