Je aktiver die Sonne ist, desto häufiger ereignen sich Flares auf ihrer Oberfläche, das sind starke Strahlungsausbrüche. Sie senden kurzwellige Strahlung im Ultraviolett- und im Röntgenbereich aus sowie Protonen, Elektronen und Ionen. Grundsätzlich eine feine Sache, denn genau diese Wellenlängen lösen in der irdischen Ionosphäre Elektronen ab. Dadurch entstehen positiv geladene Ionen und freie Elektronen – die Voraussetzung dafür, dass Kurzwellenausbreitung überhaupt möglich ist Aber auch hier kommt es auf die richtige Dosis an und die ist in diese Fall definitiv zu hoch: Ionisiert wird dadurch in erster Linie die D-Region, deren dämpfende Wirkung dadurch massiv ansteigt.
Kräftige Flares sorgen somit dafür, dass die D-Region die Raumwelle wesentlich stärker und, anders als gewöhnlich, auch bei deutlich höheren Frequenzen dämpft. Der Kurzwellen-Funkverkehr auf der sonnenbeschienenen Seite der Erde wird dadurch stark beeinträchtigt oder fällt komplett aus. Dieses Ereignis nennt man den Mögel-Dellinger-Effekt nach den Physikern Hans Mögel und John Dellinger, die solche Radio Blackouts in den 1930er Jahren erstmals beschrieben haben. Im englischen Sprachraum spricht man meist vom Shortwave Fade-Out oder einer Sudden Ionospheric Disturbance (SID).
Der Effekt tritt überfallartig binnen weniger Sekunden ein und baut sich danach langsam wieder ab, beginnend mit den hohen Frequenzen. Je nach Stärke und Dauer des auslösenden Flares kann es wenige Minuten bis weit über eine Stunde dauern, bis die Signale anderer Stationen wieder ganz langsam aus dem Rauschen auftauchen.
Am 3. Oktober 2024 beteiligten sich mehr als 20 DARC-Clubstationen am Türöffnertag der Sendung mit der Maus. An diesem Tag öffneten zahlreiche Amateurfunkstationen ihre Türen für Kinder und interessierte Besucher, um Einblicke in den Amateurfunk zu geben und Funkverbindungen live zu demonstrieren.
Leider ereignete sich gegen 12:19 UTC eine außergewöhnlich starke Sonneneruption der Klasse X9.0, die aus der aktiven Sonnenfleckenregion AR3842 ausbrach. Die dabei freigesetzte intensive Strahlung führte zu einer starken Ionisation der D-Schicht der Ionosphäre und löste den Mögel-Dellinger-Effekt aus. In der Folge kam es insbesondere auf der sonnenbeschienenen Erdseite zu einer erheblichen Absorption von Kurzwellen-Funksignalen, wodurch HF-Verbindungen stark gedämpft oder vollständig unterbrochen wurden. Die Auswirkungen waren so gravierend, dass die Funkkommunikation vieler Maus-Stationen für mehrere Minuten nicht möglich war. Dadurch konnten geplante Demonstrationen von Amateurfunkverbindungen zeitweise nicht durchgeführt werden, was angesichts der zahlreichen interessierten Gäste an diesem Tag natürlich äußerst ungünstig war.
Abbildung NEA-3.24.1 zeigt das Zentrum der Sonneneruption auf der Erdoberfläche um 12:19. Die Abbildung NEA-3.24.2 stellt die durch den Mögel-Dellinger-Effekt verursachte Dämpfung der Amateurfunkbänder dar, wobei deutlich wird, dass die Auswirkungen mit steigender Frequenz abnehmen.