Strom- und Spannungsmessung III

In den Klassen N und E haben wir bereits gelernt, wie man Strom und Spannung korrekt misst und welche Eigenschaften die Innenwiderstände der Messgeräte haben. Werden die Messgeräte nicht richtig in die Schaltung eingebaut, erhält man falsche oder unsinnige Anzeigen oder kann im schlimmsten Fall das Messgerät beschädigen. In der Klasse A gibt es dazu noch zwei weitere Fragen, die die korrekte Strom- und Spannungsmessung abprüfen – allerdings in einem etwas komplexeren Kontext.

Bei der ersten Frage geht es um die Leistungsmessung eines Verstärkers (Power Amplifier, PA). Den Zusammenhang $P = U \cdot I$ kennen wir bereits: Die Leistung lässt sich bestimmen, indem man Spannung und Strom misst und anschließend beide Werte multipliziert. In Abbildung A-2.2.1 ist links die Spannungsversorgung in Form eines Netzteils angeschlossen, in der Mitte befindet sich die PA und rechts ist ein weiterer Verbraucher, der Sender (TRX), angeschlossen. Möchten wir nun die Leistung der PA ermitteln, darf ausschließlich der Strom gemessen werden, der in die PA fließt.

Der folgende Alt-Text wurde noch nicht geprüft: 1) Kurze Zusammenfassung: Schematischer Plan mit zwei horizontalen Leitungen, einer linken senkrechten Verbindung mit Voltmeter „V“ und einer mittleren senkrechten Verbindung mit Amperemeter „A“ über einem rechteckigen Block mit Dreiecksymbol, beschriftet „PA“; links steht „zum Netzteil“, rechts „zum TX“.

2) Detaillierte Beschreibung: Oben und unten verlaufen je eine horizontale Leitung von links nach rechts, an deren äußersten Enden jeweils ein offener Anschlusskreis eingezeichnet ist. Links am Rand steht senkrecht die Beschriftung „zum Netzteil“, rechts am Rand senkrecht „zum TX“. Zwei senkrechte Verbindungen verbinden die obere mit der unteren Leitung: 
- Links verläuft eine senkrechte Leitung mit einem runden Messgerätesymbol, innen mit „V“ beschriftet (Voltmeter). 
- In der Mitte verläuft eine weitere senkrechte Leitung mit einem runden Messgerätesymbol, innen mit „A“ beschriftet (Amperemeter), darunter ein rechteckiger Block mit einem nach rechts zeigenden Dreieckssymbol; rechts daneben steht „PA“. 
An allen Kreuzungspunkten der senkrechten Leitungen mit den horizontalen Leitungen sind kleine ausgefüllte Verbindungspunkte (Knoten) eingezeichnet.
Abbildung A-2.2.1: Messen der Leistung eines Verstärkers (PA)

AI101: Wie sollten Strom- und Spannungsmessgeräte zur Feststellung der Gleichstrom-Eingangsleistung des dargestellten Endverstärkers (PA) angeordnet werden?
Der folgende Alt-Text wurde noch nicht geprüft: 1) Kurze Zusammenfassung:
Schaltbild mit zwei parallelen Horizontalleitungen, zwei senkrechten Verbindungen, vier nummerierten Kreisen (1–4) und einem quadratischen Symbol mit Dreieck, beschriftet „PA“, sowie den Randtexten „zum Netzteil“ links und „zum TX“ rechts.

2) Detaillierte Beschreibung:
- Links steht vertikal der Text „zum Netzteil“, rechts vertikal „zum TX“.
- Oben verläuft eine horizontale Leitung von einem offenen Anschlusskreis links zu einem offenen Anschlusskreis rechts. Auf dieser Leitung sind zwei ausgefüllte Verbindungspunkte (Knoten) eingezeichnet: einer nahe links, einer etwa in der Mitte. Zwischen dem linken Knoten und dem mittleren Knoten liegt ein Kreis mit der Ziffer „2“. Zwischen dem mittleren Knoten und dem rechten offenen Anschluss liegt ein Kreis mit der Ziffer „4“.
- Unten verläuft parallel eine zweite horizontale Leitung, ebenfalls mit offenen Anschlusskreisen links und rechts. Auf ihr befinden sich ein ausgefüllter Verbindungspunkt nahe links und ein weiterer in der Mitte.
- Eine linke senkrechte Verbindung verbindet die oberen und unteren Knoten nahe der linken Seite; auf dieser Senkrechten sitzt ein Kreis mit der Ziffer „1“.
- Eine mittige senkrechte Verbindung verbindet die mittleren Knoten der oberen und unteren Leitung; von oben nach unten befinden sich darauf: ein Kreis mit der Ziffer „3“, darunter ein Quadrat mit einem nach rechts zeigenden Dreieck darin, daneben die Beschriftung „PA“, darunter die Verbindung zum unteren Knoten.

Für die nächste Frage erinnern wir uns an die Regeln aus der Klasse E, das Spannungsmessgeräte immer Parallel und Strommesgeräte immer in Reihe geschaltet werden. Dadurch ist die Frage sehr leicht zu lösen.

AI102: Für die Messung der Gleichstrom-Eingangsleistung werden verschiedene Messgeräte verwendet. Bei welchen der Instrumente in der Abbildung handelt es sich um Strommessgeräte?
Der folgende Alt-Text wurde noch nicht geprüft: 1) Kurze Zusammenfassung:
Schaltbild mit zwei parallelen Horizontalleitungen, zwei senkrechten Verbindungen, vier nummerierten Kreisen (1–4) und einem quadratischen Symbol mit Dreieck, beschriftet „PA“, sowie den Randtexten „zum Netzteil“ links und „zum TX“ rechts.

2) Detaillierte Beschreibung:
- Links steht vertikal der Text „zum Netzteil“, rechts vertikal „zum TX“.
- Oben verläuft eine horizontale Leitung von einem offenen Anschlusskreis links zu einem offenen Anschlusskreis rechts. Auf dieser Leitung sind zwei ausgefüllte Verbindungspunkte (Knoten) eingezeichnet: einer nahe links, einer etwa in der Mitte. Zwischen dem linken Knoten und dem mittleren Knoten liegt ein Kreis mit der Ziffer „2“. Zwischen dem mittleren Knoten und dem rechten offenen Anschluss liegt ein Kreis mit der Ziffer „4“.
- Unten verläuft parallel eine zweite horizontale Leitung, ebenfalls mit offenen Anschlusskreisen links und rechts. Auf ihr befinden sich ein ausgefüllter Verbindungspunkt nahe links und ein weiterer in der Mitte.
- Eine linke senkrechte Verbindung verbindet die oberen und unteren Knoten nahe der linken Seite; auf dieser Senkrechten sitzt ein Kreis mit der Ziffer „1“.
- Eine mittige senkrechte Verbindung verbindet die mittleren Knoten der oberen und unteren Leitung; von oben nach unten befinden sich darauf: ein Kreis mit der Ziffer „3“, darunter ein Quadrat mit einem nach rechts zeigenden Dreieck darin, daneben die Beschriftung „PA“, darunter die Verbindung zum unteren Knoten.

Im Folgenden wollen wir uns zwei Kenngrößen beim Messen ansehen, die oft verwechselt werden:

  • Auflösung
  • Messgenauigkeit (auch Toleranz oder Fehler genannt)

Die Auflösung oder bezeichnet die kleinste Änderung der Messgröße, die ein Gerät noch anzeigen kann. Beispiel: Ein Multimeter mit einer Auflösung von $\qty{0,1}{\volt}$ kann zwischen $\qty{10,5}{\volt}$ und $\qty{10,45}{\volt}$ nicht unterscheiden, wenn der Unterschied kleiner ist als die Auflösung. Ein Gerät mit $\qty{0,01}{\volt}$ Auflösung kann hingegen deutlich feiner unterscheiden. Die Auflösung wird in der Regel vom Hersteller des Messgeräts angegeben.

Betrachten wir zunächst die Auflösung anhand einer Uhr. Besitzt die Uhr eine Stunden- und Minutenanzeige, so lässt sich die Zeit auf eine Minute genau angeben. Aber ob es nun 13 Uhr 3 Minuten und 10 Sekunden ist oder 13 Uhr 3 Minuten und 59 Sekunden lässt sich nicht ablesen. Eine Minute ist also die kleinste Auflösung der Uhr (entsprechend hat eine Uhr mit einem Sekundenzeiger eine kleinste Auflösung von einer Sekunde).

Die Messgenauigkeit (auch Messfehler oder Toleranz) eines Geräts beschreibt, wie stark der angezeigte Wert höchstens vom tatsächlichen Wert abweichen darf – sowohl nach oben als auch nach unten, zum Beispiel $\pm\qty{5}{\percent}$. Eine einfache Faustregel lautet: Je größer der Messbereich ist, den ein Gerät abdecken soll, desto geringer ist in der Regel die Genauigkeit der Messung.

Die Messgenauigkeit hängt unter anderem vom Innenwiderstand des Messgeräts ab, da dieser das Messergebnis beeinflusst. In der Klasse E haben wir gelernt: Ein Strommessgerät hat einen sehr geringen Innenwiderstand (ideal $\qty{0}{\ohm}$), ein Spannungsmessgerät dagegen einen sehr hohen Innenwiderstand (ideal $\qty{\infty}{\ohm}$). In der Klasse A wollen wir uns nun zusätzlich anschauen, wie genau unsere Messgeräte die tatsächlich anliegende Spannung bzw. Stromstärke erfassen können. Der angezeigte Messwert unterscheidet sich nämlich in der Regel vom tatsächlichen Wert – und das liegt an den nicht perfekten Innenwiderständen der Messgeräte, welche die Messung beeinflussen.

Schauen wir uns das Ersatzschaltbild eines realen Spannungsmessgeräts in Abbildung A-2.2.2 zur folgenden Prüfungsfrage an. Neben dem idealen Strommesser enthält ein reales Spannungsmessgerät einen parallelgeschalteten Widerstand, z. B. von $\qty{10}{\mega\ohm}$. Wäre dieser Widerstand unendlich groß, existierte er praktisch nicht – und wir hätten ein ideales Messgerät. Das bedeutet jedoch, dass bei einer realen Spannungsmessung immer ein kleiner Strom durch diesen Widerstand fließt, der unser Messergebnis beeinflusst. Stellen wir uns beispielsweise vor, wir wollen die Spannung an einem Spannungsteiler messen: Durch den Innenwiderstand des Messgeräts wird der Spannungsteiler geringfügig belastet, sodass wir nicht exakt die Spannung messen, die ein ideales Messgerät anzeigen würde.

Der folgende Alt-Text wurde noch nicht geprüft: Zusammenfassung: Schematische Zeichnung eines „Reales Spannungsmessgerät“, in dem ein Voltmeter (Kreis mit „V“) und ein mit „Ri“ beschrifteter Widerstand zwischen zwei horizontalen Leitungen liegen, markiert durch eine blau schattierte, gestrichelt umrandete Fläche.

Detaillierte Beschreibung: Zwei waagerechte schwarze Leitungen verlaufen von links nach rechts; links enden sie jeweils in einem offenen Anschlusskreis. Rechts ist ein hellblau schattierter Bereich mit gestricheltem Rand zu sehen, darunter die Beschriftung „Reales Spannungsmessgerät“. Innerhalb dieses Bereichs befindet sich rechts ein kreisförmiges Symbol mit dem Buchstaben „V“, das die obere und die untere Leitung verbindet. Links davon ist ein senkrecht ausgerichtetes rechteckiges Widerstandssymbol zwischen oberer und unterer Leitung eingezeichnet; neben dem Symbol steht „Ri“. Am unteren Anschluss des Widerstands zeigt ein schwarzer Pfeil nach unten, daneben die Beschriftung „I“. Die Anschlussstellen des Widerstands an den Leitungen sind als schwarze Punkte markiert.
Abbildung A-2.2.2: Ersatzschaltbild reales Spannungsmessgerät

Ähnlich wie beim Spannungsmessgerät verhält es sich auch beim Strommessgerät. Ein reales Strommessgerät besteht aus dem eigentlichen Strommesser und einem kleinen Widerstand, der in Reihe geschaltet ist und an dem immer eine kleine Spannung abfällt. Wäre dieser Widerstand null, würde er praktisch nicht existieren – und wir hätten wieder das ideale Messgerät.

Der folgende Alt-Text wurde noch nicht geprüft: 1. Kurze Zusammenfassung: Schaltbild eines in Hellblau hinterlegten „Reales Strommessgerät“-Blocks mit einem in Reihe liegenden Widerstand Ri und einem Messinstrument A zwischen zwei Anschlussklemmen.

2. Detaillierte Beschreibung: Ein hellblau gefüllter, gestrichelt umrandeter Rechteckbereich ist unten mit „Reales Strommessgerät“ beschriftet. Links führen zwei waagerechte Leiter in den Block; sie enden außerhalb jeweils in einer offenen Anschlussklemme (offener Kreis oben und unten). Im oberen Leiter liegt ein rechteckiges Bauteilsymbol (Widerstand) mit der Aufschrift „Ri“. Unterhalb des Widerstands verläuft im oberen Leiter ein waagerechter Pfeil nach rechts mit der Beschriftung „Ui“. Am rechten Rand verbindet eine senkrechte Leitung den oberen Leiter mit einem kreisförmigen Gerätesymbol mit dem Buchstaben „A“. Vom „A“-Symbol führt unten eine waagerechte Leitung nach links zurück und tritt unten links wieder aus dem Block aus. Der Leiterverlauf bildet damit eine geschlossene Reihenschaltung durch „Ri“ und „A“ innerhalb des blau markierten Gerätes.
Abbildung A-2.2.3: Ersatzschaltbild reales Strommessgerät

AI104: Für ein digitales Multimeter ist folgende Angabe im Datenblatt zu finden: Kleinste Auflösung 100 μV, Innenwiderstand 10 MOhm in allen Messbereichen. Sie messen eine Spannung von 0,5 V. Welcher Strom fließt dabei durch das Multimeter?

Bei dieser Frage ist der Hinweis „Kleinste Auflösung $\qty{100}{\micro\volt}$“ nicht wichtig. Sie kann allein mit Hilfe des Ohmschen Gesetzes gelöst werden.

Wie verhält es sich nun mit Kenngrößen, die aus Messwerten berechnet werden – etwa der Leistung in unserem Beispiel vom Anfang ($P = U \cdot I$) nach einer Strom- und Spannungsmessung? Die einzelnen Messgrößen wie Strom und Spannung weichen durch Messfehler jeweils vom tatsächlichen Wert ab, und diese Abweichungen wirken sich in der Berechnung entsprechend fort.

Schauen wir uns ein konkretes Beispiel an: Angenommen, wir möchten die Leistung bestimmen und messen dazu eine Gleichspannung und einen Gleichstrom. Beide Messgeräte zeigen Werte an, die jeweils um fünf Prozent zu niedrig sind. Man darf nun nicht den Fehler machen und die Abweichungen der Einzelmessgrößen einfach addieren. Durch die Leistungsformel wird deutlich, dass sich die Fehler in diesem Fall multiplizieren. Schauen wir uns das im Detail an:

$U_\text{Gemessen}=0,95 \cdot U_\text{Wahr}$ und $I_\text{Gemessen}=0,95 \cdot I_\text{Wahr}$

Die Leistung berechnen wir mit unserer bekannten Formel:

$$P_\text{Gemessen}=U_\text{Gemessen} \cdot I_{Gemessen}$$

Nun setzen wir die wahren Werte ein:

$$P_\text{Gemessen} = 0,95 \cdot U_\text{Wahr} \cdot 0,95 \cdot I_\text{Wahr} = 0,9025 \cdot U_\text{Wahr} \cdot I_\text{Wahr}$$

Das heißt, die gemessene Leistung ist etwa $\qty{9,75}{\percent}$ niedriger als die tatsächliche Leistung, denn $1-0,9025 \equiv \qty{9,75}{\percent}$. Mit diesem Wissen ist die folgende Prüfungsfrage lösbar, die konkreten Werte von Strom und Spannung sind für die Lösung nicht relevant.

AI103: Ein Spannungs- und ein Strommessgerät werden für die Ermittlung der Gleichstromeingangsleistung einer Schaltung verwendet. Das Spannungsmessgerät zeigt 10 V, das Strommessgerät 10 A an. Falls beide dabei im Rahmen ihrer Messgenauigkeit jeweils einen um 5 % zu geringen Wert anzeigen würden, würde man die elektrische Leistung um ...

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