Leistung II

In der Klasse N haben wir den Leistungsbegriff bereits als Produkt aus Strom und Spannung ($P = U \cdot I$) kennengelernt. In der Klasse E vertiefen wir dieses Thema weiter, indem wir uns unter anderem mit dem Umstellen von Formeln befassen.

Dazu betrachten wir die Schaltung in Abbildung NEA-6.26.1. Sie zeigt, wie an einem Widerstand elektrische Leistung in Wärme umgesetzt wird. Angenommen, die Größen $P$ und $R$ sind bekannt, so lässt sich mithilfe der Leistungsformel ($P = U \cdot I$) und des ohmschen Gesetzes ($U = R \cdot I$) die Spannung $U$ bestimmen.

Dieser Alt-Text wurde noch nicht überprüft.

Kurze Zusammenfassung: Ein rechteckiger Stromkreis mit einer Spannungsquelle „U“ links und einem rechten, als „R“ beschrifteten Widerstand, um den mit „P“ markierte, nach außen gerichtete Pfeile eingezeichnet sind.

Detaillierte Beschreibung: Die Leiterbahn bildet ein großes Rechteck. Auf der linken Seite ist das Symbol einer Spannungsquelle dargestellt: zwei kurze, parallele, horizontale Striche (oben dünn, unten breiter) an der linken Rahmenleitung, daneben steht der Buchstabe „U“. Auf der rechten Seite ist in die Rahmenleitung ein senkrecht stehendes, orangefarbenes Rechteck eingefügt, das einen Widerstand darstellt; rechts daneben steht der Buchstabe „R“. Um dieses Rechteck sind mehrere orangefarbene Pfeile eingezeichnet, die schräg nach außen vom Bauteil weg zeigen; links neben dem Rechteck steht der Buchstabe „P“. Hintergrund weiß, Leitungen und Konturen schwarz.
Abbildung NEA-6.26.1: Leistung wird am Wiederstand $R$ in Wärme umgesetzt

Die hergeleiteten Formeln sind auch übersichtlich in der Formelsammlung zu finden.

Zunächst stellen wir dazu die Gleichung des ohmschen Gesetzes nach dem Strom um:

$$ U = R \cdot I \quad\quad\quad |~: R $$

$ I = \frac{U}{R}$.

Setzen wir diesen Ausdruck für $I$ in unsere Leistungsformel ein, so ergibt sich:

$$P=U \cdot \frac{U}{R}$$

$P=\frac{U^2}{R}$.

Diese Gleichung lösen wir nach $U^2$ auf, indem wir beide Seiten mit R multiplizieren:

$$P=\frac{U^2}{R} \quad\quad\quad |~\cdot R$$

$U^2 = P \cdot R$.

Nun möchten wir die Spannung $U$ bestimmen. Dazu wenden wir die Umkehroperation des Quadrierens an, nämlich das Ziehen der Quadratwurzel. Dadurch erhalten wir:

$$ U^2 = P \cdot R \quad\quad\quad |~\sqrt{~~}$$

$U = \sqrt{P \cdot R}$.

In einigen Prüfungsfragen ist es wichtig, die richtigen Zusammenhänge zu erkennen. Mithilfe der Formelsammlung lässt sich die korrekte Lösung jederzeit herleiten.

EB504: An einem Widerstand $R$ wird die elektrische Leistung $P$ in Wärme umgesetzt. Sie kennen die Größen $P$ und $R$. Nach welcher der Formeln können Sie die Spannung ermitteln, die an dem Widerstand $R$ anliegt?

Auch für den Strom $I$ lässt sich durch Einsetzen des ohmschen Gesetzes in die Leistungsformel der Zusammenhang zwischen Strom $I$, Widerstand $R$ und Leistung $P$ herleiten.

Wir starten mit den beiden Gleichungen $P = U \cdot I$ und $U = R \cdot I$. Setzt man die zweite Gleichung in die erste für $U$ ein, ergibt sich:

$$P = R \cdot I \cdot I$$

$P = I^2 \cdot R$.

Wir lösen nach $I^2$ auf, indem wir beide Seiten durch R teilen:

$$P = I^2 \cdot R \quad\quad\quad |~:~R$$

$I^2 = \frac{P}{R} $.

Im letzen Schritt ziehen wir dann die Wurzel:

$$I^2 = \frac{P}{R} \quad\quad\quad |~\sqrt{~~}$$ $$I = \sqrt{\frac{P}{R}}$$
EB505: In welcher Antwort sind alle dargestellten Zusammenhänge zwischen Strom, Spannung, Widerstand und Leistung richtig?

Kennt man die Leistung $P$ und den Strom $I$ oder die Spannung $U$, kann man daraus stets auch den Widerstand $R$ berechnen.

Wir kennen bereits:

$$P=\frac{U^2}{R}$$

Wir lösen nach R auf, indem wir beide Seiten der Gleichung mit R multiplizieren und dann durch P teilen:

$$R = \frac{U^2}{P}$$

Andererseits ist $P = I^2 \cdot R$. Wir teilen beide Seiten durch $I^2$ und erhalten den gesuchten Ausdruck:

$$R = \frac{P}{I^2}$$
EB506: In welcher Antwort sind alle dargestellten Zusammenhänge zwischen Widerstand, Leistung, Spannung und Strom richtig?

Alle zuvor vorgestellten Zusammenhänge der Gleichspannungstechnik zwischen Leistung, Strom und Spannung gelten auch für Wechselstrom. Allerdings müssen dabei die Effektivwerte von Strom und Spannung verwendet werden. In einem vorherigen Kapitel haben wir bereits kennen gelernt wie man aus dem Spitzenwert den Effektivwert berechnet:

$U_{eff} = \frac{\hat{U}}{\sqrt{2}}$ bzw. $\hat{U} = U_{eff} \cdot \sqrt{2}$

EB503: Gelten die Formeln für die Leistung an einem rein ohmschen Widerstand auch bei Wechselspannung?

Das bedeutet, dass wir mit allen zuvor hergeleiteten Formeln nun auch die folgenden Aufgaben aus der Welt der Hochfrequenz – also der Wechselspannung – berechnen können.

EB507: Der Effektivwert der Spannung an einer künstlichen 50 Ohm-Antenne wird mit 100 V gemessen. Die Leistung an der Last beträgt ...

Der Effektivwert beträgt hier $U_\text{eff} = \qty{100}{\volt}$. Der Abschlusswiderstand beträgt $\qty{50}{\ohm}$ (reiner Wirkwiderstand). Gesucht ist die Leistung an der Last.

$$P = \frac{U^2}{R} =\frac{(\qty{100}{\volt})^2}{\qty{50}{\ohm}} = \qty{200}{\watt}$$
EB508: Wieviel Leistung wird an einer künstlichen 50 Ohm-Antenne umgesetzt, wenn ein effektiver Strom von 2 A fließt?

Auch wenn der Strom bekannt ist, kann man mit der bekannten Formel $P = I^2 \cdot R$ berechnen. Wir setzen ein:

$$P = (\qty{2}{\ampere})^2 \cdot \qty{50}{\ohm} = \qty{200}{\watt}$$
EB509: Für welche Leistung muss ein 100 Ohm-Widerstand mindestens ausgelegt sein, wenn an ihm 10 V abfallen sollen?

Zur Berechnung der Leistung, die in einem $\qty{100}{\ohm}$-Widerstand umgesetzt wird, an dem eine Spannung von $\qty{10}{\volt}$ abfällt, benutzen wir wieder:

$$P = \frac{U^2}{R} = \frac{(\qty{10}{\volt})^2}{\qty{100}{\ohm}} = \qty{1}{\watt} $$
EB510: Ein Widerstand von 10 kOhm hat eine maximale Spannungsfestigkeit von 700 V und eine maximale Belastbarkeit von 1 W. Welche Gleichspannung darf höchstens an den Widerstand angelegt werden, um ihn im spezifizierten Bereich zu betreiben?

Die Beantwortung dieser Frage bedarf eines gewissen Nachdenkens. Es ist sowohl eine maximale Spannungsfestigkeit ($\qty{700}{\volt}$) als auch eine Maximalleistung ($\qty{1}{\watt}$) angegeben. Es fragt sich nur, welche Grenze zuerst erreicht wird, wenn wir die Spannung erhöhen.

Berechnen wir zunächst die Spannung, die am Widerstand (\qty{10}{\kilo\ohm}$) anliegen muss, damit gerade die zulässige Leistung erreicht wird. Dazu rechnen wir (Herleitung weiter oben):

$$U = \sqrt{P \cdot R} = \sqrt{\qty{1}{\watt} \cdot \qty{10000}{\ohm}} = \qty{100}{\volt}$$

Das ist dann auch schon die gesuchte maximale Gleichspannung!

EB511: Ein Widerstand von 100 kOhm hat eine maximale Spannungsfestigkeit von 1000 V und eine maximale Belastbarkeit von 6 W. Welche Gleichspannung darf höchstens an den Widerstand angelegt werden ohne ihn zu überlasten?

Hier ist der Rechenweg derselbe wie in der Aufgabe davor, nur die Zahlenwerte sind anders:

$$U = \sqrt{P \cdot R} = \sqrt{\qty{6}{\watt} \cdot \qty{10^5}{\ohm}} \approx \qty{774,6}{\volt} \approx \qty{775}{\volt}$$
EB512: Ein Widerstand von 120 Ohm hat eine Belastbarkeit von 23,0 W. Welcher Strom darf höchstens durch den Widerstand fließen, damit er nicht überlastet wird?

Wenn der Widerstandswert und die maximale Belastbarkeit gegeben sind und nach dem Maximalstrom gefragt wird, verwenden wir die Beziehung:

$$I = \sqrt{\frac{P}{R}} = \sqrt{\frac{\qty{23}{\watt}}{\qty{120}{\ohm}}} \approx \qty{0,4378}{\ampere} \approx \qty{438}{\milli\ampere}$$
EB513: Ein Oszilloskop zeigt einen sinusförmigen Spitze-Spitze-Wert von 25 V an einem 1000 Ohm Widerstand an. Der Effektivstrom durch den Widerstand beträgt ...

In dieser Frage wird ein Oszilloskop verwendet, um die Spitzen-Spitzen Spannung an der Last zu messen. Diese Spannung beträgt $U_{SS} = \qty{25}{\volt}$. Das bedeutet die Spitzenspannung beträgt $\hat{U} = \qty{12,5}{\volt}$ Wir berechnen zunächst den Effektivwert der Spannung:

$$U_{eff} = \frac{\hat{U}}{\sqrt{2}} = \frac{\qty{12,5}{\volt}}{\sqrt{2}} \approx \qty{8,84}{\volt}$$

Dann ist der Effektivstrom (Ohmsches Gesetz):

$$I_{eff} = \frac{U_{eff}}{R} = \frac{\qty{8,84}{\volt}}{\qty{1000}{\ohm}} = \qty{8,8}{\milli\ampere}$$

Damit ließe sich auch die effektive Leistung berechnen, doch so weit geht die Frage hier nicht.

EB514: Eine künstliche 50 Ohm-Antenne (Dummy Load) besteht aus 11 parallel geschalteten 560 Ohm-Kohleschichtwiderständen mit einem Belastungsnennwert von jeweils 5 W. Welcher Belastungsnennwert ergibt sich für die künstliche Antenne?

Die Antwort zu dieser Frage schließlich lässt sich sehr gut im Kopf rechnen. Hier werden 11 gleiche Widerstände, wie in Abbildung NEA-6.26.2 gezeigt, parallel geschaltet. Das heißt, der Strom durch jeden einzelnen Widerstand ist $1/11$ des Gesamtstroms. Also ist die Leistung an jedem Widerstand auch nur $1/11$ der Gesamtleistung.

Also ist die zulässige Gesamtleistung $11 \cdot \qty{5}{\watt} =\qty{55}{\watt}$.

Dieser Alt-Text wurde noch nicht überprüft.

1) Kurze Zusammenfassung: Schaltplan mit mehreren parallel geschalteten, gleich groß gezeichneten Widerständen zwischen zwei horizontalen Leitungen; ein mittiger Pfeil ist mit „I“ und ein weiterer Pfeil mit „I/11“ beschriftet.

2) Detaillierte Beschreibung: Oben und unten verläuft je eine waagerechte Leitung, links und rechts durch senkrechte Leitungen zu einem rechteckigen Rahmen verbunden. Zwischen den beiden horizontalen Leitungen liegen zahlreiche senkrechte Zweige, jeweils mit einem rechteckigen Widerstandssymbol in der Mitte; die Verbindungsstellen sind als schwarze Punkte markiert. In der Mitte führt eine senkrechte Leitung durch beide Schienen; oben und unten an dieser Leitung sind offene Anschlussklemmen (offene Kreise) eingezeichnet. Neben der mittleren oberen Klemme zeigt ein Pfeil nach unten mit der Beschriftung „I“ auf den oberen mittigen Knoten. Nahe einem linken unteren Knoten zeigt ein weiterer Pfeil nach unten mit der Beschriftung „I/11“. Weitere Beschriftungen, Achsen oder Maße sind nicht vorhanden.
Abbildung NEA-6.26.2: Dummyload aus 11 gleich großen Widerständen


Weiter zum nächsten Abschnitt: Dezibel I